Tschechien: Geschäft mit der Armut

Dezember 30th, 2013  |  Published in Medien & Presse, Rassismus & Menschenrechte

Altstadt von Josefov (Foto: Wikimedia, CC; via zeit.de)Ein Drittel der rund 3.000 Einwohner in der osttschechischen Kleinstadt Josefov sind Roma. Vor Jahren ist die tschechische Armee aus der einstigen Festungsstadt abgezogen. Dutzende der Kasernen wurden an die Stadt übergeben. 100 Wohnungen, ein Drittel des städtischen Bestandes, stehen heute leer. Sie werden ganz bewusst nicht nicht vermietet, wie der Bürgermeister Jiří Klepsa offen einräumt – um zu verhindern, dass weitere Roma in die Stadt ziehen. „Was der Bürgermeister verschweigt: Die Stadt ermöglicht es gleichzeitig, dass Immobilienunternehmer aus der Situation der Roma hohe Profite schlagen können“, schreibt Christian Rühmkorf in der „Zeit“:

Die Stadt vermietet wegen der Roma keine Wohnungen mehr, stattdessen verkauft sie – oft zu Spottpreisen – ihre Immobilien an Geschäftsleute, und zwar ohne Nutzungsbedingungen. Die zerstückeln die Räume dann mit Trennwänden in kleinere Einheiten. Ihre Klientel: sozial schwache Roma, die keine Arbeit haben und woanders unerwünscht sind. Damit diese überhaupt Sozialhilfe und Wohngeld bekommen, muss der Vermieter ihnen einen festen Wohnsitz bestätigen. (…) Die Gegenleistung: Mieten von umgerechnet 400 Euro und mehr für Wohneinheiten, die mitunter nicht mal ein Bad haben. Wenn die Miete Mitte des Monats nicht bar auf der Hand ist, sitzen sie am nächsten Tag auf der Straße. Mit ihren Kindern. (…) Laut Gesetz kann der Staat die Sozialleistungen sogar direkt auf das Konto des Vermieters umleiten, wenn der Mieter Schulden hat. Daraus machen manche ein lukratives Geschäft. (…) Es ist ein Geschäft mit der Armut.

Lesen Sie bitte den Artikel in voller Länge in der „Zeit“.

Comments are closed.