Aufgeklärter Armutsporno?

Dezember 16th, 2012  |  Published in Medien & Presse  |  2 Comments


Politische Radreisen: Slowakei, Mai 2012 (Foto: Ronald Pabst)Mit dem Rad in ein Roma-Slum — Die ost­slo­wa­kischen Roma wa­ren sicht­lich über­for­dert mit der Radler-Inva­sion. Warum die Be­geg­nung auf einer poli­ti­schen Rad­reise trotz alledem gelang.

Paul Hockenos/taz.de: „Deutsche Touristen auf Trekking-Bikes begutachten Roma-Slums“, sagte meine Freundin Juliana aus Košice ins Telefon. „Das hat gerade noch gefehlt.“ Mein Gesicht verzog sich. Kritik hatte ich von ihrer Seite vermutet, aber nicht so schnell. (…) Hinter dem einwöchigen Trip unter dem Motto „Zwischen Lethargie und Aufbruch, Resignation und Selbstorganisation: Eine politische Radreise in die Heimat der Roma in der Ostslowakei“ steht der Berliner Veranstalter „Politische Radreisen“. Die Expedition gehört in die immer modischere Rubrik „politischer Tourismus“. Bildungsreisen zu politischen Themen schießen wie Pilze aus dem Boden, gerade solche mit linkem Anstrich. (…)

„Politische Radreisen“ ist eine Einmannveranstaltung. Betreiber ist Thomas Handrich, Politikwissenschaftler und früherer Osteuropareferent der Heinrich-Böll-Stiftung. Der 51-Jährige arbeitet seit Jahren als Berater für eine NGO, die es Roma-Jugendlichen ermöglichen will, ihre Belange selbst in die Hand zu nehmen. Der einwöchige Ausflug in die Ausläufer der Karpaten kostete jeden der 15 TeilnehmerInnen 800 Euro – ohne Fahrradausleihe. 50 Euro davon gingen als Spende an regionale Roma-Jugendgruppen. Im Gegensatz zu meiner Freundin Juliana hatte ich zu Reisebeginn das Gefühl, dass diese Expedition politisch korrekt verlaufen könnte, dass dies aber von mehreren Faktoren abhängen würde. Die erste Frage war, ob unsere Reise zu einem voyeuristischen „Armutsporno“ verkommen oder eine wirkliche Begegnung ermöglichen würde. Seit Ende der Reise bin ich überzeugt: Unsere Expedition war gerechtfertigt – mit einigen Einschränkungen, einigen Kritikpunkten.

Vor allem die Motivationen der Teilnehmer beseitigten viele meiner Zweifel

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. In der heterogenen Gruppe waren ein Mitglied der Linken-Bundestagsfraktion, ein Dozent, der (…) über Antiziganismus forscht, eine Soziologiestudentin, die zum Thema Roma-Migration in Bulgarien und Rumänien arbeitet, eine Pastorin, deren Gemeinde Roma-Flüchtlinge betreut, drei Journalisten, eine 17-jährige Berlinerin mit Roma-Hintergrund und ein Fahrradfan, der sich wenig für Roma interessierte. (…) Obwohl niemand in der Gruppe nach billigem Nervenkitzel suchte, erwies sich der erste Besuch in einem Roma-Dorf östlich von Košice als schwierig. Zusammen mit dem Organisator, den Übersetzern und einer slowakischen Sozialarbeiterin waren wir an die 20 Personen – eindeutig zu viele. In dem beengten Büro des Bürgermeisters oder dem des lobenswerten NGO-Projekts kamen wir mit unseren Rädern und Helmen in der Hand an wie der sprichwörtliche Elefant im Porzellanladen. Die Mauer zwischen „uns“ und „ihnen“ schien mindestens zwei Meter dick. Die ländlichen ostslowakischen Roma waren sichtlich überfordert mit der Invasion der Fremden. (…) Trotzdem beantworteten die Roma unsere vielen, vielen Fragen nach bestem Wissen und Gewissen. (…)

Die meisten Radfahrer begriffen aber, dass dieser Tag eins nicht gut gelaufen war. Eine slowakische Übersetzerin äußerte sehr klar ihr Unbehagen an der Situation. Es folgten Diskussionen, Selbstkritik, Kritik, Selbstkritik – sehr geduldig, sehr gründlich, sehr deutsch. Klar wurde, dass vielen Teilnehmern zum Verständnis notwendige Informationen fehlten. Fast alle empfanden die Distanz zwischen uns und den Roma als unangenehm. Irgendwie musste viel mehr Dialog und Sensibilität her. (…) Die Roma selbst schienen wir wenig zu stören. Auf unsere Nachfrage sagten sie, dass sie dankbar dafür seien, dass sich Leute von außerhalb für ihre Lebensumstände interessieren. (…)

Bei einem Pilotprojekt (…) klappt natürlich nicht immer alles. Alle Teilnehmer stimmen zu, dass die nächste Expedition eine bessere Einführung braucht – vor dem ersten Besuch in einer Siedlung oder einem Slum. Und dass die Gruppe kleiner sein sollte. Auch die Einbettung des Themas in regionale und europäische Politik der vergangenen Jahrzehnten kam – mitten in der EU-Dekade der Roma-Integration – zu kurz. Zudem müssen das nächste Mal Regeln zum Fotografieren, zu unangenehmen Fragen und der Rolle von Journalisten ganz am Anfang besprochen werden: Sollen Letztere sich benehmen wie auf jeder anderen Journalistenreise? (…)

Ich empfinde die Reise als Erfolg. Jede Teilnehmerin, jeder Teilnehmer hat heute ein klareres, vielschichtigeres Bild von den Roma und einem der schwerwiegendsten Probleme Europas, als man es aus allen Medien zusammen beziehen könnte. Fast jeder hat etwas über Roma erfahren, was ihre oder seine politische oder berufliche Arbeit beeinflussen wird. Wir sind als Touristen losgefahren – und als Multiplikatoren zurückgekommen. (…)

Lesen Sie bitte den hier nur in Auszügen wiedergegebenen Artikel von Paul Hockenos (aus dem Englischen übersetzt von Rüdiger Rossig) in voller Länge auf taz.de.

Weitere Berichte von Teilnehmern finden Sie hier und hier (Texte von Ronald Pabst) sowie hier als PDF-Datei (Text von Eberhard Schmalzried).

Die österreichisch-tschechische Filmemacherin Zuzana Brejcha, die sich selbst über lange Jahre intensiv mit den Roma in der Slowakei befasst hat (siehe z.B. hier) und die die Lage und die Menschen vor Ort gut kennt, kann dieser Form des Tourismus nichts abgewinnen. Ihr Leserposting zum taz-Artikel möchten wir Ihnen ebenfalls nicht vorenthalten:

I am shocked by the ignorance of the organiser and the journalist. Would he travel by bike to an afro-american slum and photograph people? All this “social tourism” is a big error. I have been travelling to Eastern Slovakia for 15 years, I speak the language and I know how the peolpe feel about such tourist. They are just too kind and hospitable to tell or show them. And the local “activists” see an opportunity to make themselves known and maybe earn some euros. This kind of tourism has to stop!

Responses

  1. Robert says:

    Dezember 17th, 2012 at 11:23 (#)

    Hallo,
    ich hatte nicht den Eindruck, dass unsere Reise den Menschen, die wir besucht haben schadet oder sie verärgert. Ich denke, es kommt darauf an, wer dort wie auftritt. Mir schienen viele froh darüber, dass sich Leute aus dem Westen für ihre Lebensverhältnisse ernsthaft interessieren (wer sich nicht wirklich dafür interessiert, sollte allerdings nicht mitfahren, das ist wahr). Ich habe einige Berichte und Reportagen, die aus dieser Reise entstanden sind inzwischen veröffentlicht (weiterführende Links hier: http://ecomedia.wordpress.com//?s=Roma&search=Los ) und hoffe, damit einen Beitrag zur Verständigung geleistet zu haben….

  2. Thomas Handrich says:

    Dezember 19th, 2012 at 12:20 (#)

    Eine Stellungnahme zu dem Artikel in der TAZ:
    Warum führt der Autor Paul Hockenos in seinem Artikel den Begriff Armutsporno ein? Warum wird dieser Begriff zur Überschrift ? Warum umrahmen Fotos aus Slums in Afrika, Asien und Lateinamerika den Artikel? Wer den Artikel bis zum Ende liest und sich nicht von der reißerischen Überschrift und den Fotos (in der Printausgabe) manipulieren lässt, stellt fest: Sowohl die Fotos als auch die Begrifflichkeit Armutsporno, hervorgehoben zur Überschrift, sind – gelinde gesagt – Fehlgriffe. Wie Paul Hockenos richtig beschreibt, hatten weder die Reisenden ein voyeuristisches oder gar pornographisches Interesse, noch die gastgebenden Roma eines sich zu prostituieren. Insbesondere die Überschrift zeugt von Gedankenlosigkeit (schlimm genug) und sagt mehr über ihren Verfasser als über den Berichtsgegenstand aus. Sie hat allerdings für die Leser in den Dörfern rund um Kecerovce eine indirekt diffamierende Wirkung. Viele von Ihnen leben gar nicht in Slums, sondern in ganz normalen Häusern. Eine solch differenzierende Sicht zu ermöglichen war ein Ziel unserer Reise. Viele Teilnehmende – so auch Paul Hockenos – bestätigen dies, wie ihre Berichte, dokumentiert auf der Webseite http://www.politische-radreisen.de, zeigen.
    In Reaktionen zum Artikel wird auch die Auffassung vertreten, dass derlei Tourismus gestoppt werden sollte. Hierzu: Keine meiner zahlreichen politischen Bildungsreisen haben ein derart nachhaltiges Interesse geweckt: Ein halbes Jahr nach der Reise traf sich die Hälfte der Reisegruppe, zum Teil viele Hunderte Kilometer gereist, zu einem Nachbereitungswochenende im Wendland. Im Zentrum der Diskussion und des Austausches stand u.a. die Situation der Sinti und Roma in Deutschland; vor allem das Schicksal der von Abschiebung bedrohten Roma aus dem Kosovo und aus Serbien. Alle sind nun viel neugieriger geworden auf ihre Nachbarn, einige engagieren sich in Initiativen gegen die Abschiebungspraxis der Bundesregierung. Vor Ort in der Ostslowakei haben die aktiven Jugendlichen – durch die Spende der Teilnehmenden – nun einen wärmenden Ofen für Winter-Treffs in ihrem autonomen Jugendclub. Bei zukünftigen Bildungsreisen wünschen sie sich, das ergab die Auswertung, ein mehr an Verantwortung für Teile des Programmes.