Ein Film als Feigenblatt?

Februar 16th, 2012  |  Published in Film & Theater, Politik, Rassismus & Menschenrechte  |  3 Comments

Just the Wind (Filmstill, via Berlinale)Der Spielfilm „Csak a szél“ („Just The Wind“) wird heute in Berlin erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. Noch hat den Film (Regie: Bence Fliegauf) aufgrund des strengen Berlinale-Reglements niemand gesehen. Doch Interviews und Stellungnahmen im Vorfeld der Uraufführung betonen – etwa hier bei einer offiziösen Pressekonferenz mit Staatssekretär Balog – ein wenig zu sehr die Regierungsnähe der Produktion. Das macht stutzig. Ebenso die Aussagen der Produzentin Mónika Mécs, die den Film dafür lobt, dass er das „Roma-Problem“ und „Probleme mit den Roma“ behandle – obwohl der Film doch eigentlich die neonazistische Mordserie an Roma thematisiert, die Ungarn 2008 und 2009 in die internationalen Schlagzeilen brachte.

Auch der Pester Lloyd hat kürzlich darauf hingewiesen (mehr hier und hier), dass mit „Csak a szél“ ein „Filmkunstwerk zum Feigenblatt für eine missratene Politik gegenüber den Roma und den Filmschaffenden ‚befördert‘ wird“. Ein Artikel, der nun ein unliebsames Nachspiel hat: Heute berichtet der Pester Lloyd von einem energischen Schreiben des Staatssekretärs für Soziale Integration (sprich: Romafragen) Zoltán Balog an die Redaktion, die dieses nicht anders verstehen kann als „einen – leider typischen – Angriff auf die Pressefreiheit und einen Versuch der Einschüchterung“.  (dROMa-Red.)

Aktualisierung 20.2.2012: Die Weißwäscher von der Donau (Tagesspiegel, 18.2.2012)

Aktualisierung, 16.2.2012, 20:00 Uhr:

Die ersten Filmbesprechungen sind euphorisch, Anke Westphal schreibt in der Berliner Zeitung sogar: „Csak a szél sollte den Goldenen Bären zugesprochen bekommen. Alles andere wäre nicht richtig.“ Zugleich sorgt ein groteskes Manöver der ungarischen Regierung für Befremden auf der Berlinale. Der Tagesspiegel berichtet:

Auf der Berlinale-Pressekonferenz ließ nun das ungarische Justizministerium eine beflissene, auch auf Fremdenfeindlichkeit in Deutschland weisende Erklärung verteilen. Dies hätte der Film, ein Mitfavorit für den Goldenen Bären, gewiss nicht gebraucht. Bence Fliegauf und sein Team zeigten sich von dieser Intervention sehr überrascht.

Responses

  1. dROMa-Blog | Weblog zu Roma-Themen | Berlinale: „Csak a szél“ („Just The Wind“) says:

    Februar 16th, 2012 at 14:35 (#)

    [...] Über den Film, den die rechtsnationale Regierung in Ungarn ganz offensichtlich als willkommenes „Feigenblatt“ für ihre desaströse Roma- und Filmpolitik zu instrumentalisieren gedenkt, heißt es im [...]

  2. dROMa-Blog | Weblog zu Roma-Themen | Berlinale: „Revision“ von Philip Scheffner says:

    Februar 17th, 2012 at 11:14 (#)

    [...] ungarische Spielfilm „Csak a szél“ („Just The Wind“), (hier und hier) der nach seiner gestrigen Premiere als aussichtsreicher Kandidat für den Goldenen Bären [...]

  3. dROMa-Blog | Weblog zu Roma-Themen | Ein Film als Feigenblatt | Legal-illegal | Scoop.it says:

    Februar 17th, 2012 at 16:48 (#)

    [...] background-position: 50% 0px; background-color:#222222; background-repeat : no-repeat; } http://www.roma-service.at – Today, 3:48 [...]