„Wir sind das Gewissen Europas“
April 16th, 2009 | Published in Medien & Presse, Rassismus & Menschenrechte
Sehr brav: Mit gleich drei großen Artikeln (hier, hier und hier) beging „Der Standard“ vergangene Woche den Internationalen Romatag und legt heute mit einer langen Reihe weiterer Artikel (hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier) sogar noch einmal kräftig nach. „Europa ist eine wunderbare Sache“, schreibt etwa Gilda Horvath, Mitarbeiterin der ORF-Minderheiten-Redaktion, in einem Gastartikel mit dem Titel „Wir sind das Gewissen Europas“: „In vielen Ländern spricht man provokant vom ,Romaproblem‘. Ein Problem, das keines ist. Roma sind ein Teil Europas. (…) Und Europa ist eine wunderbare Sache. Es ist kultiviert. Es organisiert. (…) Es hat Menschenrechte und die Magna Charta. Vor allem aber besteht Europa aus Menschen. Ein Großteil der [zehn bis] vierzehn Millionen Roma sind Menschen, die ganz unten stehen. Ohne politische Vertretung, oftmals ohne Strom, fließendes Wasser oder medizinische Betreuung. Dafür lasten Hass und Vorurteile auf ihnen, gegen die sie sich in ihrer Lage kaum wehren können.“ Und sie konstatiert – quer durch Europa – ein trauriges Bild der aktuellen Situation:
In Italien versucht man, die Roma mit Fingerabdrücken zu registrieren. Brennt ihre Siedlungen, die erst in der letzten Regierungsperiode vom Staat genehmigt wurden, nieder. In der Slowakei leben die Roma in reservatsähnlichen, ghettoiden Siedlungen, in denen die nötigste Infrastruktur fehlt, in denen die Schule, die erst hinter einer Stadtmauer liegt, keine Roma-Kinder aufnehmen will. Von den Vergewaltigungen und Gewaltaktionen in Roma-Dörfern in Russland wissen wir Mitteleuropäer wenig bis gar nichts. Die Medien schreiben nichts darüber. (…) Und dann wäre da noch Ungarn. In Ungarn starben zwei Menschen bei einem vermeintlichen Hausbrand. Die Polizei verwischte, pardon, übersah Beweise, übersah das Blut vor dem Haus.