Radio Kaktus: Roma in Ungarn
April 11th, 2009 | Published in Radio, Podcast & TV
Radio Kaktus / WEBRADIO oe1campus
On Demand (mp3-Download)
Das Gandhi-Gymnasium im südungarischen Pécs wurde vor fünfzehn Jahren von mehreren Roma-Organisationen mit dem Ziel gegründet, höhere Bildung für Roma zugänglich zu machen und sie gleichzeitig in ihrer kulturellen Identität zu stärken. József Orsós war selbst einmal Schüler des eigens für Roma-Jugendliche errichteten Gandhi-Gymnasiums und schloss dort auch sein Abitur ab. Heute ist er dort Lehrer für Deutsch und den örtlichen Roma-Dialekt „Beás“. József Orsós reiste gemeinsam mit Csaba Lakatos, Vilma Rósza und der Leiterin des Gandhi-Gymnasium in Pécs Karin Adamik auf Einladung des Romano Centro nach Wien. Sie berichteten über die aktuelle Situation der Roma in Ungarn und über ihr Gandhi-Gymnasium für Roma.
József Orsós erzählt davon, dass die Roma-Selbstverwaltungen kein Mitbestimmungsrecht, sondern nur Anhörungsrecht haben. In den kleinen Gemeinden soll sehr oft mit finanziellen Mitteln von 3000 Euro im Jahr gearbeitet werden. Kein leichtes Unterfangen, wie Orsós erzählt, besonders wenn man nur mitreden, aber nicht bestimmen dürfe. Orsós hob hervor, dass Vorfälle gegen Roma medial oft unter den Tisch fallen, während gegen die Roma selbst immer öfter gehetzt würde. Auch die Roma-Schüler des Gandhi-Gymnasiums bekämen die angespannte Stimmung zu spüren.
Wenn der Bus überfüllt ist, werden sie aufgefordert auszusteigen, um den Nicht-Roma Platz zu machen, so Karin Adamik, Leiterin des Gandhi-Gymnasiums für Roma. Doch die steigende Fremdenfeindlichkeit trifft nicht nur Roma. Auch die deutschstämmige Leiterin Adamik selbst erlebte schon öfter verbale Gewalt von rechtsgerichteten Studenten.
Csaba Lakatos, Biologielehrer am Gandhi-Gymnasium, hat bereits selbst die Aufmärsche der Ungarischen Garde erlebt. Die Polizei warnt die Roma in den Dörfern vor den Demonstrationen der Ungarischen Garde. Sie raten den Einwohnern nicht auf die Straße zu gehen. Die Polizei habe selber Angst vor den gewaltbereiten Mitgliedern der Ungarischen Garde.
Internationaler Romatag in Oberwart
Am Samstag, 4. April, beging die Volkshochschule der Burgenländischen Roma in Kooperation mit dem Verein Roma Oberwart und dem Kulturverein Österreichischer Roma den Internationalen Romatag. Mit einem Vortrag präsentieret Rudolf Sarközi, Vorsitzender des Volksgruppenbeirates für Roma, sein Buch „Roma – Österreichische Volksgruppe – Von der Verfolgung zur Anerkennung“. Bürgermeister Gerhard Pongracz und Johann Baranyai vom Verein Roma Oberwart sprachen zur Bedeutung des Tages. Für die musikalische Umrahmung sorgte der Ferry Janoschka.
Ceija Stojka: Ausstellung und Buchpräsentation in Brünn
Die Vernissage zur Ausstellung „Leben“ der österreichischen Roma-Malerin Ceija Stojka fand im Rahmen des Internationalen Romatages am 8. April 2009 im Museum für Romakultur, Bratislavska 67, Brünn statt. Im Zusammenhang der Vernissage gibt es auch eine Buchpräsentation von Ceija Stojka „Leben im Verborgenen“ (Argo 2009) unter persönlicher Teilnahme der Autorin.
Gilda Horvath & Serdar Erdost, ORF Volksgruppenredaktion
(volksgruppen.orf.at)