Der innere Feind: Roma in den Medien

März 25th, 2009  |  Published in Medien & Presse, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte

Valeriu NicolaeDie Gewaltausbrüche gegen Roma, die es – wie im Fall Italiens oder Ungarns – vorübergehend auch in die weltweiten Schlagzeilen schaffen, kommen nicht aus heiterem Himmel. Hinter den Pogromen und Morden steckt ein ganz alltäglicher rassistisch gefärbter Diskurs, der keineswegs nur an den Rändern, sondern breit und fest in der Mitte der Gesellschaft sitzt. Welchen Anteil daran die mediale Berichterstattung hat, führt der rumänische Roma-Bürgerrechtler Valeriu Nicolae (langjähriger stv. Leiter des ERIO und Mitarbeiter des OSI) in seinem Eurozine-Essay „The enemy within. Roma, the media and hate speech“ aus: „In Rumänien, Bulgarien und Ungarn, geschweige denn Italien, trifft es häufiger zu als nicht, dass es gerade die Medien sind, die zu den Hexenjagden auf Roma anstacheln.“ (Hier noch ein weiterer aktueller Artikel Nicolaes.)

Die massive „breite Zustimmung“, die Roma-Feindlichkeit in Rumänien und Bulgarien findet, garantiert weiterhin ein empfängliches Publikum und dient als windschiefe Rechtfertigung für offen rassistische Medienberichte und Sendungen. Eine Vielzahl von Journalisten scheint sich unverändert der Konsequenzen ihres Handelns nicht bewusst zu sein oder stehen diesen gleichgültig gegenüber. Es hat den Anschein, als bestünde eine grundlegende Übereinstimmung in großen Teilen der Print- und Rundfunkmedien, dass Roma nicht nur als Parias, sondern als der innere Feind darzustellen sind. Die Massenmedien scheinen eine gefährliche Roma-Bürger-Dichotomie nicht nur hinzunehmen, sondern selber zu fördern, und sie laufen dabei Gefahr, sich selbst in ein Hilfmittel für das Anfachen ethnisch motivierter Gewalt zu verwandeln. (…) Bei der Berichterstattung über Vorkommnisse, die die Roma betreffen, findet man nur in einem erschreckend begrenzten Ausmaß Zugangsweisen vor, die auch nach den Ursachen fragen. So gut wie nie zeigen Nachrichtenmeldungen auch den Kontext des Geschehens, die häufig unsichtbaren Auslöser dramatischer Ereignisse.

Dies steht aber im schroffen Gegensatz zu Medienberichten, die sich auf die Mehrheitsbevölkerung beziehen, wo die Ursachen von Gewalt, Aggression und Vandalismus durchaus sehr oft sorgfältig recherchiert und ziemlich häufig auch als Rechtfertigung des fraglichen Verhaltens dargestellt werden. (…) Der eindeutige Fokus der meisten auf Roma Bezug nehmenden Berichte liegt auf Kriminalität, Gewalt und Immigration als Bedrohung für die öffentliche Sicherheit. Dies ruft eine verzerrte Darstellung der Verhältnisses von Ethnizität und Gewalt hervor und steht eindeutig anderen, wichtigeren Aspekten im Weg, wie z . B. sozialer Ausgrenzung, verborgener Gewalt, Zwangssegregation, Umfeld und Erziehung, Perspektiven, Klassenzugehörigkeit und sonstigen möglichen Ursachen kriminellen Verhaltens. (…)

(Valeriu Nicolae, in: Eurozine, 20.3.2009 / Übersetzung: dROMa)

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