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„Man muss uns die Chance geben“

Juli 21st, 2014  |  Published in Frauenrechte, Jugend & Bildung

LernwerkstattDie Ressentiments gegen Sinti und Roma sind groß. Gegen dieses Stigma wehren sich Hamburger Roma-Frauen. Meret Michel hat für die „taz“ die Beratungs­stelle Karola im Hamburger Karo­linen­vier­tel be­sucht, in der Frauen ihre ver­säumte Schul­bil­dung nach­holen kön­nen. Hin­ter den Bil­dungs­de­fi­zi­ten stecken häufig ein histo­risch gut begrün­detes Miss­trauen gegen­über staat­li­chen Insti­tu­tionen, bewegte Flüchtlings­schick­sale und Rassis­mus in den Her­kunfts­län­dern, der vie­len Roma-Kin­dern bis heute den Zugang zum Schul­sys­tem verwehrt. Im Fol­gen­den einige Auszüge aus dem Artikel:

Acht Frauen sitzen um den Tisch herum und beugen sich über die Übungs­blätter. (…) Sie sitzen in der Beratungs­stelle Karola im Hamburger Karo­linen­viertel. Karola wurde vor 30 Jahren als inter­nationaler Treffpunkt für Frauen und Mädchen gegrün­det und heute kom­men jedes Jahr gut 50 Roma-Frauen in die Einrich­tung. Sie lassen sich hier etwa beim Umgang mit Behör­den beraten oder sie kom­men wie die Frauen in Bakars Kurs mehr­mals die Woche, um lesen und schrei­ben zu lernen. (…)

Melissa kommt seit fünf Monaten viermal in der Woche in die Bera­tungs­stelle Karola. Neben der Lernwerkstatt für Lesen und Schreiben besucht sie einen Grund­kurs, in dem sie Rechnen lernt. Melissa Eltern sind während des Jugos­lawien­kriegs nach Deutschland geflüchtet, da war sie noch ein kleines Kind. Sie ist in Ham­burg auf­gewach­sen, hat aber nie eine Schule besucht. „Meine Eltern haben es mir frei­gestellt, ob ich gehen will oder nicht“, sagt sie. Sie ging nicht. Nun will sie mit 31 Jahren nachholen, was sie als Kind verpasst hat. (…) Solche Lebens­geschich­ten können viele Roma-Frauen bei Karola erzählen. Sie sind in den 1980er-Jahren als Gast­arbei­terin­nen her­ge­kommen oder in den 1990er-Jahren vor dem Krieg auf dem Balkan nach Deutsch­land geflohen. Viele von ihnen wurden in ihrer Heimat diskri­miniert oder verfolgt – und aus diesen Erfah­rungen rührt ein großes Misstrauen gegenüber staat­lichen Insti­tutio­nen wie der Schule.

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