Denkmal für Boxmeister Rukeli Trollmann

Juni 8th, 2010  |  Published in Geschichte & Gedenken, Sport  |  1 Comment

Trollmann-DenkmalBerlin — Am 9. Juni 2010, genau 77 Jahre nach dem Meisterschaftssieg Johann „Rukeli“ Trollmanns im Halbschwergewicht, wird das temporäre Denkmal zu Ehren des 1944 im KZ Neuengamme erschlagenen Profiboxers im Viktoriapark in Berlin-Kreuzberg eingeweiht (siehe zu Trollmann auch unseren Artikel in dROMa 15/2007). Bereits in den 1920er galt der Boxer Trollmann, der aus einer alteingesessenen Hannoveraner Sinti-Familie stammte, in seiner Klasse als Ausnahmetalent. Er feierte unter tosendem Beifall seine sportlichen Erfolge und avancierte schon zu Beginn seiner Karriere zum Publikumsliebling. Aufgrund seiner ethnischen Herkunft wurde Trollmann in der Zeit des Nationalsozialismus rassisch verfolgt. Sein Titel als „Deutscher Meister im Halbschwergewicht“ wurde ihm acht Tage nach seinem Sieg aberkannt, sein Kampfstil von den nationalsozialistischen Sportfunktionären als „unarisch“ diffamiert. Schritt für Schritt wurde dem ehemals gefeierten Sportler seine Existenzgrundlage entzogen. Schließlich wurde er 1942 im KZ Neuengamme inhaftiert und musste, nicht zuletzt wegen seines Bekanntheitsgrades, schlimmste Misshandlungen und Demütigungen über sich ergehen lassen. 1944 wurde Johann „Rukeli“ Trollmann im Alter von 36 Jahren in Wittenberge, einem Außenlager des KZs Neuengamme, erschlagen. Sein Schicksal steht beispielhaft für den Völkermord an den Sinti und Roma, der lange Zeit im öffentlichen und wissenschaftlichen Diskurs vernachlässigt wurde.

(…) Begleitet wird das Kunstprojekt durch ein umfangreiches Veranstaltungsprogramm mit Vorträgen, Lesungen, Diskussionen, Filmen und Workshops für Jugendliche. Ziel des Projektes ist es, ein Bewusstsein für den nationalsozialistischen Völkermord an den Sinti und Roma zu entwickeln, die historischen und ideologischen Zusammenhänge der Verfolgung und systematischen Vernichtung aufzuzeigen, aber auch nach der Aktualität und Virulenz antiziganistischer Vorurteile im heutigen Europa zu fragen.

Das temporäre Denkmal, gestaltet vom Künstlerkollektiv BEWEGUNG NURR und Florian Göpfert, trägt in Anlehnung an die KZ-Häftlingsnummer Trollmanns den Titel „9841“. Kuratiert wird das mit Mitteln des Hauptstadtkulturfonds Berlin und der Amadeu Antionio Stiftung geförderte Projekt von Lith Bahlmann und Simon Marschke. Anlässlich der Denkmalseinweihung sprechen Silvio Peritore vom Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma, Heidelberg, Petra Rosenberg, Landesverband Deutscher Sinti und Roma Berlin-Brandenburg, und Manuel Trollmann, Großneffe Johann Trollmanns.  (Presseaussendung: lifepr, 7.6.2010)

Führungen /Besichtigung /Veranstaltungen: 10. Juni bis 16. Juli 2010
Einweihung: 9. Juni 2010, 18 Uhr, Viktoriapark, Berlin/Kreuzberg
Weitere Informationen unter www.nurr.net

Responses

  1. Villa am Genfer See: Multimediales Denkmal für Chaplin | Der Möbelblog says:

    Juni 9th, 2010 at 04:21 (#)

    [...] dROMa-Blog | Weblog zu Romathemen Denkmal für Boxmeister Rukeli … [...]