TV-Tipp: Borat – Ein Dorf lacht nicht

Juni 1st, 2010  |  Published in Film & Theater, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte  |  2 Comments

Sacha Baron Cohen bei der Premiere von "Borat" (Foto: Wikicommons)ARTE, Mittwoch, 2. Juni 2010, 16:40 Uhr
ARTE, Dienstag, 8. Juni 2010, 9:15 Uhr
ARTE, Donnerstag, 24. Juni 2010, 5:00 Uhr

Dokumentation, Niederlande 2008, 59 Min.
Regie: Mercedes Stalenhoef

Die Dokumentation „Borat – Ein Dorf lacht nicht“ erzählt von den Bewohnern von Glod, einem kleinen rumänischen Dorf, dessen Bewohner in der Komödie „Borat“ des Comedians Sacha Baron Cohen als rückständige Kasachen verballhornt wurden. Wie hat der Film ihr Leben verändert? Ist die Realität noch verrückter als die Fiktion? Eine urkomische Geschichte mit ernstem Unterton.

Carmen ist 17 und wohnt in Glod, einem Roma-Dorf in den rumänischen Bergen. Glod heißt auf Rumänisch Schlamm, und genauso sieht es hier auch aus. Carmens Alltag ist öde und langweilig, die Leute im Dorf findet sie grob und dumm, eine Zukunft sieht sie hier nicht für sich. Doch eines Tages taucht ein Filmteam in Glod auf, und die nichtsahnenden Dorfbewohner werden als Schauspieler und Statisten angeheuert. Als sie jedoch erfahren, dass sie im Spielfilm „Borat“, dessen Titel im Ganzen lautet „Borat – Kulturelle Lernung von Amerika um Benefiz für glorreiche Nation von Kasachstan zu machen“ des britischen Comedians Sacha Baron Cohen als rückständige Kasachen dargestellt wurden, fühlen sie sich ausgenutzt und beleidigt. Ein amerikanischer und ein deutscher Rechtsanwalt überzeugen die Dorfbewohner davon, dass dies ihre Chance sei, ans ganz große Geld zu kommen. Im Namen einiger Dorfbewohner reichen sie in New York eine Klage in Höhe von 30 Millionen Dollar ein. Obwohl der Prozess noch gar nicht begonnen hat, sehen sich die Dörfler schon als reiche Leute. Auch Carmen kann sich plötzlich ein Leben in Glod vorstellen, sollte der Geldsegen tatsächlich wahr werden. Wenn das Glück zu ihr kommt, warum sollte sie es dann anderswo suchen? (Text: ARTE)

Anmerkung d. Red.:
„Bis zu Drehschluss“, schrieb Richard Schuberth im Standard, ließ Sacha Baron Cohen die Roma von Glod „in dem Glauben, (…) man würde die Welt durch eine Sozialreportage auf die menschenunwürdigen Lebensbedingungen in ihrem Dorf aufmerksam machen“. „Borat“ sollte später an einem einzigen Wochenende 20 Millionen Dollar einspielen, die getäuschten Dorfbewohner erhielten für ihre Mitwirkung laut Presseberichten (mehr hier) jedoch nur Tagesgagen von etwa vier US-Dollar. Zudem stellte sich im Nachhinein heraus, dass sich Sacha Baron Cohen für seinen Erfolgsfilm auch bei der Musik der Roma-Sängerin Esma Redžepova bedient hatte. Der mazedonische Musikstar strengte einen Prozess gegen ihn an und gewann. Der Filmemacher musste ihr wegen der unerlaubten Benutzung ihres Liedes „Chae Shukarie“ 26.000 Euro zahlen. Insbesondere in Deutschland sorgte der Film bzw. die sein Anlaufen begleitende Werbung für ein juristisches Nachspiel wegen Verhetzung (mehr hier , hier oder hier).

Responses

  1. Alberto says:

    August 6th, 2010 at 21:00 (#)

    Ein jüdischer Schauspieler, der Volkshetze gegen andere arme Länder treibt. Gaza scheint alleine nicht mehr auszureichen…aber wenn man diesen Mr. Cohen kritisiert, wird man sowieso gleich als Anti-Semit abgestempelt!

  2. Anm. d. Red.: says:

    August 8th, 2010 at 11:24 (#)

    Was die Politik der israelischen Regierung oder Cohens Herkunft damit zu tun haben sollen, erschließt sich in der Tat nur einem Antisemiten.