Was bleibt von Romed Mungenast?

September 26th, 2026  |  Published in Veranstaltungen & Ausstellungen

Vergangenen Samstag fand in der Inns­brucker „Kul­tur­back­stube – die Bä­cke­rei“ der 10. Je­ni­sche Kul­tur­tag statt. Im Mit­tel­punkt des Pro­gramms stand der 2006 ver­stor­be­ne Tiroler je­ni­sche Ak­ti­vist und Au­tor Ro­med Mun­genast.

Der zehnte Jenische Kulturtag fiel mit gleich mehreren Jahres­tagen zusam­men. Zum zehnten Mal traten die Jenischen Kulturtage gegen das Ver­gessen an und machen jenische Gegen­wart und Ver­gangen­heit sichtbar. Vor zwan­zig Jahren starb Romed Mun­genast, der erste Jenische in Österreich, der sich öffent­lich zu seiner Her­kunft be­kannte — sein Wirken prägt die Beschäf­tigung mit jeni­scher Geschichte in Tirol bis heute. Vor fünf­und­zwan­zig Jahren er­schienen die von ihm heraus­gegebe­nen „Jenischen Reminis­zenzen“, in denen jenische Stimmen erst­mals selbst zu Wort kamen. Und vor fünf­und­dreißig Jahren wurde die Initiative Minder­heiten ge­gründet, aus deren Arbeit auch das Jenische Archiv und die Kultur­tage hervor­gingen. Vier Jubiläen, ein gemein­samer Faden: das Eintreten für Sichtbarkeit, Anerken­nung und Selbst­bestim­mung.

Präsentation Buch „Jenische Reminiszenzen“
Als 2001 die „Jenischen Reminiszenzen“ erschienen, kamen darin erstmals jenische Stimmen in gebün­delter, gedruckter Form zu Wort — gesam­melt und heraus­gegeben von Romed Mungenast. Fünf­und­zwanzig Jahre später erscheint das Buch neu. Die Heraus­ge­ber*in­nen Heidi Schleich und Michael Haupt stell­ten die Ausgabe vor und sprachen über das, was sie damals wie heute leistet: jenische Erfahrung nicht über die Betrof­fenen, sondern von ihnen selbst erzählen zu lassen. Die Autorin Simone Schönett last aus ihren Beiträgen „Auf den Spuren jenischer Frauen“ und „Nachruf auf Romed Mungenast“. Mit: Heidi Schleich, Heraus­ge­berin, Akti­vis­tin; Michael Haupt, Heraus­geber, Ini­tia­tive Minder­heiten Tirol und Jenisches Archiv; Simone Schönett, jenische Autorin.

Was bleibt von Romed Mungenast?
Romed Mungenast (1953–2006) war der erste Jenische in Österreich, der sich öffent­lich zu seiner Herkunft be­kannte. Als Autor, Sammler und un­ermüd­licher Vermittler machte er jenische Geschichte, Sprache und Kultur dort sichtbar, wo sie zuvor ver­schwiegen oder nur aus be­hörd­licher Per­spektive über­liefert war. Zwanzig Jahre nach seinem Tod fragt eine Ge­sprächs­runde nach dem, was von seiner Arbeit ge­blieben ist: Welche Spuren hat er hinter­lassen, welche Impulse wirken bis heute — und was bleibt zu tun? Weg­ge­fährt*in­nen erinnern, ordnen ein und denken weiter. Mit: Thomas Huonker, Historiker, Schweiz; Heidi Schleich, Auto­rin; Elisabeth Grossinger-Spiss, Politik­wis­sen­schaftlerin.

Objekte und ihre Geschichte
Jenische Geschichte ist in der Regel nur aus behördlicher Sicht fest­gehalten, dabei sind durch die mündliche Tradition viele Erzäh­lungen aus alten Zeiten in den Familien präsent. An­knüpfend an das Format des ver­gange­nen Jahres holen öster­reichi­sche Jenische per­sönliche Gegen­stände aus ihrem Besitz vor den Vor­hang und schließen an der jenischen Form des Erzählens an. Mit: Hans Monz, Salzburg; Harald Swoboda, Wien; Simone Schönett, Kärnten.

Durchgehend kleine Ausstellung zu Romed Mungenast
Begleitend zum Kulturtag erinnert eine kleine Ausstellung an Leben und Werk von Romed Mungenast. An einer mehreren Sta­tionen werden Medien, Bilder und Doku­mente zu­sammen­geführt — von Ton- und Video­aufnahmen bis zu Materia­lien aus seinem Nach­lass. Die Aus­stellung lädt dazu ein, seiner Stimme noch einmal zu be­gegnen und sich Zeit für einzelne Zeug­nisse zu nehmen.

Musik: Gedichte von Romed Mungenast & Jam Session
Und Romed Mungenast war auch Lyriker. Marco Buckovez vertonte einige Gedichte von ihm und lud an­schlie­ßend auch alle anderen zum gemein­samen Musizieren ein.

Früher zogen Jenische in kleinen Familienverbänden durch das Land, um den Sesshaften ihre Arbeits­kraft und hand­werkli­chen Fähig­keiten an­zu­bieten. Als Menschen mit eigenen Lebens­weisen, einer eigenen Sprache und eigen­ständi­gen kulturellen Tradi­tionen waren sie eine Minder­heit, die schon früh dis­kriminiert und zur Sess­haftigkeit gezwungen werden sollte. Im National­sozialismus wurden Jenische als so­genannte Asoziale verfolgt und ermordet. Doch auch nach 1945 bis in die jüngste Vergangen­heit nahm die Unter­drückung und Gewalt kein Ende, etwa durch will­kürliche Ge­fängnis­strafen oder Kinds­weg­nahmen durch die Jugend­wohlfahrt. Die ihren Familien entrissenen Kinder wurden in an­erkannten Institu­tionen syste­matisch gequält, geschlagen und er­niedrigt. Ein dunkles Kapitel der Geschichte der Jenischen, das bis Mitte der 1980er anhielt und bis heute weiter­wirkt.

(Text: Initiative Minderheiten)

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