Wenn Hass legal, aber trotzdem schädlich ist
November 29th, 2025 | Published in Dokumente & Berichte, Internet & Blogothek, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht
Der Verein „ZARA – Zivilcourage und Anti-Rassismus-Arbeit“ präsentierte seinen 8. „#GegenHassimNetz“-Bericht. Der diesjährige Bericht (→PDF-Download) widmet sich dem Thema „Lawful but Awful“.
Der Bericht zeigt, wie sehr auch rechtlich zulässige Inhalte im Netz Menschen verletzen, zum Schweigen bringen und insgesamt einen fairen, demokratischen Diskurs verhindern.
Seit der Gründung der Beratungsstelle „#GegenHassimNetz“ im Jahr 2017 wurden insgesamt 15.113 Fälle von Online-Hass dokumentiert, davon 1.716 im aktuellen Beratungsjahr. Ein Großteil der Meldungen ist vorurteilsmotiviert, besonders häufig geht es um rassistische und sexistische Angriffe – oft treffen sie Menschen, die von mehreren Diskriminierungsformen betroffen sind. „Ob Hass im Netz strafbar ist, hängt jedoch nicht primär davon ab, aus welchem Grund ein Mensch Hass verbreitet. Sowohl ideologisch als auch nicht-ideologisch motivierte Inhalte können rechtswidrig sein – oder eben legal. Ihnen gemeinsam ist, dass sie verletzen“, erklärt Fiorentina Azizi-Hacker, Leiterin der ZARA-Beratungsstellen. Die ZARA-Berater*innen prüfen daher genau, welche rechtlichen Schritte oder anderen Maßnahmen möglich und sinnvoll sind, um Betroffene in ihrem individuellen Fall bestmöglich zu unterstützen.
Der Bericht verdeutlicht, dass Hass im Netz ein breites, gesamtgesellschaftliches Problem ist: Er reicht von strafbaren Drohungen und Verhetzung über sexualisierte Gewalt und Cybermobbing bis zu „lawful but awful“-Inhalten, die zwar nicht gegen Gesetze verstoßen, aber dennoch massiv schaden. Etwas mehr als die Hälfte (54 %) der bei ZARA gemeldeten Hass-Inhalte bewertete die ZARA-Beratungsstelle #GegenHassimNetz als nicht-rechtlich relevant.
„Legaler Online-Hass prägt den Alltag vieler Menschen und macht sichtbar, wo der Rechtsstaat an seine Grenzen stößt, wenn es um den Schutz der Menschenwürde geht. Genau an dieser Schnittstelle beginnt die Arbeit von ZARA: Wir hören zu, beraten und handeln, wo andere Systeme nicht greifen“, so ZARA-Geschäftsführerin Rita Isiba.
Der Bericht bietet neben aktuellen Zahlen und Analysen auch konkrete Handlungsempfehlungen: für Betroffene und Zeug*innen von Hass im Netz ebenso wie für politische Entscheidungsträger*innen.
Der Bericht wurde am 26. November 2025 im Rahmen eines journalistischen Themenabends im Presseclub Concordia präsentiert.
(Text: Zara)