BVZ: Post Meridiem Band

Oktober 30th, 2025  |  Published in Musik

Post Meridiem beim Roma-Butschu 2025 (Foto: ORF/Roma-Redaktion)Roma: Bildung, Bühne neues Selbstvertrauen


Von Bertie Unger, erschienen in der BVZ, 30.10.2025

Was früher im Grunde unmöglich war, wird heute gelebt: Bildung, Selbst­be­wusst­sein und Sicht­bar­keit inner­halb der Roma-Com­mu­nity. Die Musikerin Michelle Hor­vath steht mit ihrer Band Post Meridiem für eine Gene­ration, die sich ihren Platz er­arbeitet hat. Auf der Bühne und im Leben.

Wenn Michelle Horvath und Pia Putz gemein­sam auf der Bühne stehen, ist das mehr als Musik. Es ist ein Stück gelebter Wandel. Pop, Austropop und Songs auf Romanes – Sprachen und Klang­welten, die sich mischen, ohne sich zu ver­lieren. Die beiden Musi­kerin­nen aus Kleinbachselten und Kemeten bilden das Duo Post Meridiem. Ihre Auftritte wirken un­aufgeregt, aber ehrlich. Man merkt, sie machen nichts, um zu ge­fallen, sie machen es, weil es ihnen etwas bedeutet.

Kennengelernt haben sich die beiden im musischen Zweig des BORG Güssing. In einem Umfeld, in dem vieles wachsen kann, das viel­leicht bleibt: Neugier, Freund­schaft, Vertrauen. Auf einer Matura­reise be­schlossen sie, gemeinsam Musik zu machen. Heute spielen sie auf Ver­anstal­tungen im ganzen Land, covern noch die meisten Songs, doch eigene Stücke sind in Arbeit – auch in Romanes, der Sprache der Roma.

Michelle kommt aus Kleinbachselten und ist Romni, Pia kommt aus Kemeten und ist kein Mitglied der Volks­gruppe. Doch Musik kennt keine Her­kunft. Mit Michelles Hilfe lernte Pia, Texte auf Burgenland-Romanes zu singen.

Alles keine Selbstverständlichkeit

Dass Michelle Horvath heute studiert, arbeitet und Musik macht, war keine Selbst­ver­ständ­lich­keit. Noch vor wenigen Jahr­zehnten wurden Roma-Kinder in Österreich syste­matisch be­nach­teiligt. „Selbst talentierte Kinder wurden in Sonderschulen geschickt, oft ohne Be­gründung“, sagt Josef Schmidt vom Verein Roma-Service. Erst die Roma­bewegung der späten 1980er-Jahre brachte eine Wende. Roma begannen, sich zu orga­ni­sieren, ihre Sprache und Kultur sichtbar zu machen und für gleiche Chancen zu kämpfen.

Ein wichtiger Schritt war die Gründung der Roma-Lernhilfe in Oberwart, die bis heute Kinder und Jugend­liche aus Roma-Fa­milien begleitet. „Seit damals hat sich viel getan“, sagt Schmidt. „Immer mehr junge Roma besuchen höhere Schulen, studieren oder machen eine Lehre. Bildung ist das Funda­ment und Men­schen wie Michelle sind Vorbilder für die nächste Gene­ration.“

Doch Diskriminierung ist bis heute nicht verschwun­den. Noch immer erleben Roma Vorurteile – subtil oder offen. Manch­mal merkt man es an Blicken, an Bemer­kungen, an diesem kleinen ‚Du bist anders‘, das immer mit­schwingt. Musik ist ein Weg, damit um­zugehen und zugleich eine Form des Stolzes.

„Ich bin mit Musik aufgewachsen, meine Familien­mit­glieder haben immer Musik gemacht“, sagt Michelle Horvath. „Und was mein Studium betrifft. Das ist bis jetzt erfolg­reich ab­ge­laufen und nächstes Jahr bin ich fertig, obwohl ich neben­bei auch arbeite“.

Mit Post Meridiem wollen die beiden Mädchen weitergehen, neue Songs schreiben, auftreten, wachsen. Denn Musik verbindet und viel­leicht ist das, was die beiden tun, das beste Beispiel dafür, wie Ver­ände­rung wirklich klingt. Eine Volksgruppe, die ihre Stimme auf Bühnen erhebt, die früher nicht für sie ge­dacht waren.

(Text: Bertie Unger, BVZ.at, 30.10.2025)

Die Wiedergabe erfolgt mit der dankenswerten Genehmigung des Autors.


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