Zwischen Notwendigkeit und Widerstand (2024)
August 21st, 2025 | Published in Hochschulschriften, Jugend & Bildung, Wissenschaft
Thorben Struck (2024): Zwischen Notwendigkeit und Widerstand: Eine erziehungswissenschaftlich-ethnographische Studie zum Leben und Helfen unter heteronomen Bedingungen
Dissertation, Universität Hamburg (Fakultät für Erziehungswissenschaft), S. 293.
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Abstract (Link):
Diese Dissertation untersucht die Lebensrealitäten und Bewältigungsstrategien junger männlicher Roma bulgarischer Herkunft und ihrer Familien im marginalisierten Stadtteil Gaarden-Ost in Kiel. Auf Basis einer einjährigen ethnographischen Forschung mit teilnehmender Beobachtung werden die strukturellen Herrschaftsverhältnisse analysiert, die ihre Lebenswelten prägen, sowie ihre alltäglichen Widerstandspraktiken. Im Rahmen eines kategorial-analytischen Auswertungsverfahrens der empirischen Daten nimmt die Arbeit eine machttheoretische Deutung vor und zeigt unter Bezug auf Konzepte des alltäglichen Widerstands deren empirische Relevanz auf.
Fünf zentrale Bewältigungskontexte werden identifiziert: „Orte, Räume und Zeiten“, „Antiziganismus“, „Repressionsapparate“, „Bürokratie und Institutionen“ sowie „Organisierte Kriminalität“. Die Ergebnisse verdeutlichen ein Spannungsfeld der Bewältigungshandlungen zwischen Anpassung und Widerstand. Die habituelle Verankerung widerständigen Handelns wird hierbei theoretisch fundiert und in seiner empirischen Relevanz als „Habitus zwischen Notwendigkeit und Widerstand“ beschrieben.
Die ethnographische Untersuchung beleuchtet zudem die Hilfestrukturen, die die jungen Männer nutzen, und differenziert diese in formale, non-formale und informelle Felder der Hilfe. Dabei werden Dynamiken und Machtverhältnisse innerhalb dieser Hilfen herausgearbeitet. Insbesondere wird hier ein bisher in der Literatur nicht beschriebenes Phänomen beleuchtet: ein marktwirtschaftlich strukturiertes und verdeckt agierendes soziales Feld der non-formalen Hilfe außerhalb der formalen Institutionen Sozialer Arbeit. Eine professionstheoretische Einordnung der Dynamiken und Veränderungen in diesem Feld liefert wichtige Einsichten für helfende Professionen. Diese Erkenntnisse tragen zur Weiterentwicklung Sozialer Arbeit und sozialer Bildungsarbeit in heteronomen Kontexten bei, insbesondere im Hinblick auf die Gestaltung innovativer Hilfestrukturen.
Die Forschung liefert theoretische und praktische Impulse für eine reflexive Erziehungswissenschaft und Soziale Arbeit. Sie bietet Impulse, wie soziale Bildungsarbeit und professionelle Hilfen in heteronomen Kontexten gestaltet werden können, um die Wechselwirkungen zwischen strukturellen Bedingungen und individuellen Lebenswelten besser zu berücksichtigen. Die Ergebnisse tragen zur theoretischen Fundierung und praktischen Weiterentwicklung von Hilfestrukturen und Handlungskonzepten in der Sozialen Arbeit bei.
Hochschulschrift (phil. Dissertation); Betreuer: Hannelore Faulstich-Wieland, Louis Henri Seukwa
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