Affäre Aiwanger: „Unfassbarer Zynismus“

September 5th, 2023  |  Published in Geschichte & Gedenken, Politik

Geschichtspolitischer Klimawandel: Hubert Aiwanger (Foto: World Tourism Organization/UNWTO), Lizenz: CC BY-NC-ND 2_0„Nicht ernst gemeint!“: Zentralrat Deutscher Sinti und Roma weist die jetzt vor­ge­legte öf­fent­li­che Ent­schul­di­gung des stell­ver­tre­ten­den Mi­nis­ter­prä­si­den­ten Bayerns Hubert Ai­wan­ger zu­rück. Der Zentral­rat be­fürch­tet Ver­harm­lo­sung der natio­nal­so­zialis­ti­schen Ver­­bre­chen.

Sein Verhalten gegenüber den Millionen Er­mordeten jüdischer Men­schen und Sinti und Roma ent­schul­digt Herr Aiwanger heute mit seinem dama­ligen jugend­lichen Alter. Dabei sieht sich Herr Aiwanger selbst als ein Opfer einer politi­schen Kam­pagne und weist gleich­zeitig die öffent­liche Kritik an seiner Person zurück. Dies kann nicht ak­zep­tiert werden.

Dieser unfassbare Zynismus ist unverzeihlich. Er schadet den Bemü­hun­gen von Bildungs­ein­richtun­gen, die die Ver­ant­wortung für unse­re Demokratie und unse­ren Rechtsstaat über­nehmen, und stärkt das Agieren von demo­kratie­feind­li­chen Parteien.

Der Vorsitzende des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, Romani Rose, sieht in dieser auf­ge­heizten Dis­kussion auch eine ge­sellschafts­politische Klima­ver­änderung, deren Ziel die Stärkung eines neuen Rechts­extre­mismus und Natio­nalis­mus ist. Darüber hinaus ap­pelliert der Zentralrat Deut­scher Sinti und Roma an die demo­krati­schen Kräfte in unserem Land, historische Bewusst­seins­bildung nicht als Schuldzuweisung zu verstehen, sondern als eine Ver­ant­wortung aus der Geschichte, Antiziganismus, Anti­semi­tismus und der Ver­harm­losung der natio­nal­sozialis­tischen Verbrechen ent­schieden ent­gegen­zu­treten.

(Text: Aussendung des Zentralrats)

Siehe auch:
„Erleben einen erinnerungspolitischen Klimawandel“ (Tagesschau, 2.9.2023)
Charlotte Knobloch: Warum ich Hubert Aiwangers Entschuldigung nicht angenommen habe (Jüdische Allgemeine, 4.9.2023)
Causa Aiwanger: „Ein verheerendes Signal von Markus Söder“ (NDR, 4.9.2023)

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