Vergessener Leinwandstar aus der Minderheit

Juli 24th, 2022  |  Published in Film & Theater

Tela Tchaï (Foto: unifrance.org)Die Kritiker verglichen sie mit Greta Garbo oder Marlene Dietrich. Gefeiert wurde sie in et­li­chen Artikeln über­schwäng­lich als „sen­satio­nelle Be­setzung“, „poly­glotter Star“ und „schau­spieleri­sches Natur­talent“. Und in den be­gehrten Sammel­bildern einer deut­schen Ziga­retten­fabrik fand sich ihr Foto neben dem der Stumm­film-Ikone Asta Niel­sen. Doch trotz alle­dem ist die französische Schauspielerin Tela Tchaï (1909–1993) heu­te nahe­zu ver­ges­sen.

Der Bielefelder Germanist Prof. Klaus-Michael Bogdal hat sich auf Spuren­suche be­geben und fas­zinie­rende Details aus der Lebens­geschichte der Aktrice zu­sammen­getragen, die 1909 als Martha Winterstein im fran­zö­sisch-deutsch-bel­gi­schen Grenz­gebiet ge­boren wurde und aus einer Manouche-Fa­mi­lie stammt. Von seinen mühe­vollen Re­cherchen be­richtet der eme­ri­tierte Literatur­wissen­schaft­ler am 25. Juli, 18 Uhr, bei einem öffent­lichen Vortrag im Doku­men­ta­tions- und Kultur­zentrum Deut­scher Sinti und Roma in der Bre­meneck­gasse 2 in Heidelberg.

Faktisch beendet wurde die Karriere von Tela Tchaï durch den Ein­marsch der Wehrmacht in Frankreich im Mai 1940. Al­ler­dings liegt auch ihre zwei­te, durch­aus erfolg­reiche Kar­riere als Malerin weit­ge­hend im Dunkeln.

Um 1910 wurden gleich mehrere Sinti und Roma geboren, die zum ersten Mal durch ihre über­ragen­den künst­leri­schen Leistun­gen trotz Dis­kriminie­rungen An­erken­nung er­langten. Dazu gehört neben Django Reinhardt, Matéo Maximoff und Bronisława Wajs (Papuscha) auch Martha Winterstein. „Sie alle leis­ten auf unter­schied­liche Weise einen Beitrag zur euro­päischen Kultur, der nicht in Ver­ges­sen­heit ge­raten darf“, betont Klaus-Michael Bogdal, der im Jahr 2013 für sein Buch „Europa erfindet die Zigeuner“ mit dem Leip­zi­ger Buchpreis zur Euro­päi­schen Ver­stän­digung aus­ge­zeichnet wurde.

(Text: Dokumentations- und Kulturzentrum)

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