Heimat, fremde Heimat
November 17th, 2009 | Published in Radio, Podcast & TV
20 Jahre Roma-Bewegung in Österreich (15:01)
ORF (TVthek): Heimat, fremde Heimat, 15.11.2009
Die Roma und Sinti in Österreich wurden während des Nationalsozialismus vertrieben und ermordet. Die wenigen, die aus den Konzentrationslagern zurückkehrten, wurden weiterhin diskriminiert und an den Rand der Gesellschaft gedrängt. Rosa Winter, die von der NS Filmemacherin Leni Riefenstahl in das KZ gebracht wurde, war die erste Sintica, die nach dem Krieg Wiedergutmachung vom Staat forderte. Erst durch das Eingeständnis der NS-Mittäterschaft Österreichs durch Altbundeskanzler Franz Vranitzky, sowie die amerikanischen Sammelklagen brachten Jahrzehnte später den Wiedergutmachungsdiskurs in Gang. Karl Stojka, Ludwig Papai, Rudi Sarközi waren jene Männer, die Anfang der 90er Jahre an die Öffentlichkeit traten. Vereine wurden gegründet, die sich für die gesellschaftliche Akzeptanz der Volksgruppe einsetzten und die in der Anerkennung der Roma und Sinti als österreichische Volksgruppe gipfelte. Der Villacher Sinti-Vertreter Hugo Taubmann ging noch einen Schritt weiter und offenbarte Heimat, fremde Heimat die streng geheim gehaltenen Stammesgesetzte der Sinti. Mitten in diesen Öffnungsprozess der Volksgruppe explodierte 1995 in Oberwart die Rohrbombe. Die Bilder aus dem Holocaust wurden wieder greifbare Realität.
Die Roma-Vertreter und Sinti-Vertreterinnen ließen sich nicht einschüchtern, die Burgenländischen Roma verschriftlichten ihre Sprache und machten sie somit unterrichtbar. Politisch setzten Österreichs Roma aus Solidarität zu den Roma und Sinti in Österreichs Nachbarländern auf die europäische Karte − sie fordern einen EU-Kommissar für Roma. Über 20 Jahre Roma-Bewegung führte Sabina Zwitter Gespräche mit Prof. Rudi Sarközi, Altbundeskanzler Franz Vranitzky, der Künstlerin Ceija Stojka und Vertreterinnen der Linzer und Villacher Sinti-Vereine.