„Ada baro dipe hi, so tumen hi“

Juni 2nd, 2020  |  Published in Rassismus & Menschenrechte, Religion

Papst Franziskus bei seiner Ansprache im Roma-Viertel von Blaj am 2. Juni 2019 (Screenshot aus der Übertragung von Vatican News)„Es ist ein großes Geschenk, das Ihr besitzt“


Heute vor einem Jahr, am 2. Juni 2019 be­suchte Papst Franziskus, am letz­ten Tag seiner Rumänien­reise, die Roma des Städt­chens Blaj (deutsch: Bla­sen­dorf) in Sieben­bür­gen. In sei­ner his­tori­schen Rede, die wir für dROMa über­setzt ha­ben, bit­tet er die Roma um Ver­zei­hung für das Unrecht, das ihnen im Lauf der Ge­schichte auch von Christen – und auch von der katho­li­schen Kirche – zu­ge­fügt wur­de. Im Fol­genden ge­ben wir die Rede in eini­gen Aus­zügen auf Deutsch so­wie auf Romani wieder:

Ich trage im Herzen eine Last. Es ist die Last der vielen Erfahrun­gen von Dis­krimi­nierung, Aus­grenzung und Miss­handlung, die Eure Ge­mein­schaf­ten erlitten haben. Die Geschichte zeigt uns, dass auch Christen, Katholiken solch Böses nicht fremd ist. Dafür möchte ich Euch um Ver­gebung bitten. Ich bitte um Vergebung im Namen der Kirche und des Herrn, und ich er­bitte Ver­gebung von Euch. Für all jene Zeiten in der Geschichte, in denen wir Euch be­nach­tei­ligt, miss­handelt oder schief an­gesehen haben, mit dem Blick Kains und nicht Abels, und in denen wir un­fähig waren, Euch an­zu­erkennen, zu schätzen und in Eurer Einzig­artig­keit zu ver­teidigen.

Wie oft urteilen wir vorschnell, mit verletzenden Worten, mit Hal­tun­gen, die Hass und Spaltung säen! Wann immer jemand zurück­ge­lassen wird, kann die Familie der Mensch­heit nicht vorwärts­kom­men. Tief im In­neren sind wir keine Christen, ja nicht ein­mal gute Menschen, wenn wir nicht fähig sind, die Person vor ihren Taten, vor un­se­ren eige­nen Urteilen und Vor­urteilen zu sehen.

Liebe Brüder und Schwestern, Ihr als Volk habt eine große Rolle aus­zu­füllen. Scheut Euch nicht, die beson­deren Gaben, die Ihr besitzt und die Eure Geschichte ge­prägt haben, zu teilen und an­zu­bieten. Wir brau­chen diese Gaben: Respekt für den Wert des Lebens und des Familien­ver­bands, Solidarität, Gast­freund­schaft, Hilfe, Unter­stützung und Sorge für die Ver­letz­lichen in Eurer Gemein­schaft, Respekt und Wert­schätzung für die Alten, das ist ein gro­ßes Geschenk, das Ihr besitzt; und für den religiösen Sinn des Lebens, Spon­taneität und Lebens­freude. Wo auch immer Ihr Euch be­findet, teilt diese Gabe und ver­sucht, all das Gute an­zu­nehmen, das andere Euch an­bieten können.

O Kedveschno Dad ando 2to juni 2019 use pro tala­lini­pe le Romenca ande Blaj andi Ru­menija (fala­ti an­dar o vakeripe):

Mro vodschi pharo hi. Upre leste paschlon o but esbe liptscha la dis­krimi­na­cijatar, le argrani­cali­pestar taj le tel­di­ki­pestar, save tumaro kheta­nipe esbe iste lija. I historija sikal amenge, hot le chris­tenge, o katolik­tscha asaj bibas­ta­li­pe prindschar­do hi. Vascho­da kama tumen vasch fadipe te molinel. Me vasch fadipe moli­nav ando anav la khan­geratar taj le rajestar, taj me fadipe tumen­dar mo­linav. Odole caj­tenge andi his­torija, ande save amen tumen­ca bibas­tale um dscha­hahi taj tel dikahahi, le dikipeha le Kainistar taj na le Abelistar, taj ande save amen na dscha­nahahi, tumen aun te prindscha­rel, tumen te patijarel taj upre tumen­de, ande tumaro je­koschni­pe, obocht te del.

Amen igen sik taj butvar alavenca, save posan, terdscho­ji­penca, hosi­nipeha taj donde tradi­peha ar hintinas! Te mindig valako pal muklo ulo, akor i familija le ma­nu­schipestar angle na perel. Hor ando andrutno na sam christscha, taj menik latsche manu­scha, te amen na le dscheno angle amare kerip­tscha, angle amare phenip­tscha taj amari diskrimi­nacija na diklam.

Kedveschne phrala taj phenja, ojs flogo jek baro koja iste khe­len. Ma daran, o bari­kano dipe, savo tumen hi taj savo tumari historija pre­gintscha, te ulala taj le avrenge te sikal. Amen­ge pekan odola diptscha: respekto le ver­tiske le dschivi­pestar taj la bara fami­li­jatar, solida­riteta, akariptscha, pomo­schago taj sorgi­nipe le dukade dsche­nenge ande tumaro kheta­nipe, respekto taj pati­jaripe le phu­rendar, ada baro dipe hi, savo tumen hi, taj le religijo­nakere gon­doske le dschi­vipestar, schpon­taniteta taj dschi­vipes­keri voja. Kajgodi tumen san, ulaven ada dipe taj proba­linen, o cilo latschi­pe aun te lel, savo tu­menge o avre prik den.

(Übersetzung aus dem Englischen | prik bescharipe: dROMa)

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