„werkgruppe2“: Doku-Theater „GYPSIES“
Februar 25th, 2017 | Published in Film & Theater
„GYPSIES – Roma in Europa“ ist eine Produktion von „werkgruppe2“. In Koproduktion mit dem Staatstheater Braunschweig, dem Nationaltheater Timisoara und dem Théâtre de la Manufacture Nancy
Regie: Julia Roesler | Mit Simon Bourgade, Gina Calinoiu, Ursula Hobmair, Flavius Retea und den Musikern Dejan Jovanovic (Violine) und Dejan Jovanovic (Akkordeon)
Premiere: 23.02.2017 | 25.2./28.2., 1.3./2.3., 4.4./5.4.2017: Braunschweig, Husarenstraße | 31.3./1.4.: Hannover, Pavillon | 2.4.: Göttingen, Junges Theater | 8.4.: Berlin, Heimathafen Neukölln | 11./12./13.6.: Nationaltheater Timisoara | November 2017: Théâtre de la manufacture Nancy
Wo immer Roma heute in Europa ansässig sind, sind sie mit Stereotypen, Diskriminierung und Ausgrenzung konfrontiert. Von den Nationalsozialisten wurden sie in Konzentrationslagern ermordet. Während des Jugoslawienkriegs hat man sie im Zuge ,ethnischer Säuberungen‘ verfolgt, getötet oder vertrieben. Oder Arbeitslosigkeit und Armut zwingen viele Roma in Länder zu emigrieren, in denen sie „als lästige Arme, als fremde Hilfsbedürftige, als aggressive Bettler, als ungefragte Anbieter unnützer Dienstleistungen, als Sozialschmarotzer, als Eindringlinge“ (Wolfgang Benz) gesehen werden. Und die Regierungen der westlichen EU-Länder weisen durch ihre Asyl- und Migrationspolitik die Verantwortung zurück in die Herkunftsländer.
Wie beschreiben sich die Angehörigen dieser transnationalen Bevölkerungsgruppe selbst? Welches Bild haben sie von den Mehrheitsgesellschaften der Länder, in denen sie leben? Was wäre in ihren Augen notwendig für ein gelingendes Zusammenleben? Welche Perspektiven sehen sie in einem Europa der Zukunft? Ein weiteres Mal richtet „werkgruppe2“ den Blick auf ein europäisches Thema. Auf der Grundlage von Interviews, die in Rumänien, Frankreich und Deutschland geführt wurden, zusammen mit Roma-Musikern und einem multinationalen Schauspiel-Ensemble entsteht ein Theaterprojekt, das nach seiner Uraufführung in Braunschweig auf Europa-Reise geht.
(Text: werkgruppe2)
Über „werkgruppe2“:
Seit zehn Jahren arbeitet werkgruppe2 als freies Theaterkollektiv; seit 2009 versucht werkgruppe2 in dokumentarischen Projekten soziale Wirklichkeit aus der Perspektive von Menschen zu beschreiben, die zu gesellschaftlichen Minderheiten, Unsichtbaren, Ausgeklammerten zählen. Beruhend auf einer ausführlichen journalistischen Recherche entstehen atmosphärisch und erzählerisch dichte Inszenierungen, welche die Grenzen von Schauspiel und Musiktheater, Dokumentation und Fiktion ausloten. Ausgangspunkt für die Textfassung sind narrative Interviews, die meist eine klar umrissene Perspektive auf ein Thema erfassen. Aus diesen Erzählungen schafft werkgruppe2 ein komponiertes Textgeflecht, das auf der Bühne mit einem professionellen Schauspiel-Ensemble in einem stark künstlerischen, partei-ergreifenden, interpretatorischen Zugriff umgesetzt wird. Die Musik, die in jeder Produktion live beteiligt ist, besteht aus Neu-Kompositionen, häufig aus verschiedenen, ungewöhnlichen Klangquellen, und ist auf der Bühne gleichberechtigtes Element, indem sie das Thema der Recherche und die Arbeit insgesamt kommentiert und differenziert. Dabei stellt werkgruppe2 sich stets Fragen danach, was Dokumentation bedeutet, wie Wirklichkeit abgebildet wird und wie stellvertretend für Menschen gesprochen werden kann?