Jung, Rom und Europäer – Seminar in Berlin
Juli 26th, 2009 | Published in Jugend & Bildung, Veranstaltungen & Ausstellungen
„Meine Kinder sollen es mal besser haben als ich“
von Andreu Jerez Ríos, Berlin
In der EU wird in Bezug auf die Gemeinschaft der Roma viel geredet, aber in der Regel wenig gehandelt. Meinungen von jungen Roma und Europäern, von jungen Europäern und Roma.
Im Mai traf sich eine Gruppe Roma aus ganz Europa in der deutschen Hauptstadt. Fünfzig junge Roma und Sozialarbeiter von Jugendorganisationen aus 17 Ländern nahmen mit Unterstützung der Europäischen Kommission an einem Seminar des deutschen Vereins Amaro Drom (Website und Weblog) und von Roma Active Albania teil. Das Berliner Treffen war dem Erfahrungsaustausch und der Entwicklung zukünftiger Projekte gewidmet. Wir sprachen mit sechs Teilnehmern − ein Überblick über die Roma-Jugend Europas, ihre Perspektiven, Ängste und Hoffnungen:
Hamze Bytyci (27) – deutscher Kosovare, tätig für Amaro Drom
Hamze fühlt sich als „Großstädter, Europäer und Rom“. Für ihn hat die Zukunft seiner Gemeinschaft in Europa „zwei Seiten“. „Jetzt werden die ersten Schritte für eine Verbesserung der Situation in die Wege geleitet. Es ist in etwa so wie der Anfang einer friedlichen Revolution. Andererseits ist uns allen bekannt, was mit der Roma-Minderheit in Italien oder der Tschechischen Republik passiert. Wir brauchen mehr Geld und mehr Zeit.“
Admir Biberovic (25) – Jura-Absolvent, Bosnien
Admir denkt positiv über die Zukunft seiner Gemeinschaft in Bosnien: „Die Regierung meines Landes ist Mitglied des Projekts Decade of Roma Inclusion, das zum Ziel hat, die Gemeinschaft der europäischen Roma besser zu integrieren. Bosnien hat schon 3 Millionen Euro investiert.“ Admir ist optimistisch. Wenn Menschen überzeugt seien, etwas zu ändern, könnten sie dies auch erreichen. Seiner Meinung war das Treffen in Berlin ein Beweis dafür, dass diese Art von Überzeugung reell ist.
Ionut Stan (24) – Polizist, Rumänien
Ionut fühlt sich als Rom, weil „er nichts anderes sein kann“. Er weiß, dass seine Gemeinschaft weiterhin diskriminiert wird. Doch er bemerkt auch einen Wandel: „Es ist wahr, dass es in einigen Regionen in Rumänien sehr arme Roma gibt. Aber dann sind da auch Mitglieder meiner Gemeinschaft, die sehr gut integriert sind, studiert haben und arbeiten.“ Ionut hatte die Möglichkeit sechs Monate mit einem Stipendium in Brüssel arbeiten zu können. Deshalb weiß er die Bedeutung der EU zu schätzen. Ionut steht der Zukunft optimistisch gegenüber: „Das Leben meiner Kinder wird besser sein als meines.“
Karolina Mirga (26) – Studentin, Polen
„Offiziell besitze ich die polnische Staatsbürgerschaft, aber im Herzen bin ich polnische Romni. Karolina ist sich über die Zukunft unsicher, erkennt aber an, dass der Wandel „bereits begonnen hat“: „Vielleicht ist in 50 Jahren der Präsident der USA ein Rom“, lacht sie.
Kike Jiménez (24) – Sozialarbeiter, Spanien
Kike arbeitet für den Verein Kale dor Kayiko im Baskenland. Es ist sicher nicht einfach, seine Identität zu definieren? „Schwer zu beantworten, wenn man die politische Lage im Baskenland berücksichtigt. Dazu kommt dann noch meine Identität als Rom. Ich fühle mich gleichzeitig als Rom, Baske, Spanier und als Europäer.“ Kike bestätigt, dass die Roma in Nordspanien beim Thema Bildung hinter anderen Regionen wie Katalonien, Andalusien oder Madrid hinterherhinken. „In den letzten 50 Jahren hat sich die Romagemeinschaft stark verändert. In 50 Jahren werden wir überall dort sein, wo wir sein wollen“, schließt er.
Nesime Salioska (27) – Koordinatorin des Vereins Roma Organization for Multicultural Affirmation, SOS Prilep in Mazedonien
Nesime ist pessimistisch: „Viele der EU-Mitgliedsländer diskutieren nur über die Situation der Roma und Sinti, handeln aber nicht. Deutschland und Spanien sind zwei gute Beispiele: Ständig wird darüber geredet, dass man die Lage der Romagruppen in anderen Ländern wie zum Beispiel in Mazedonien dringend verbessern müsste. Aber weder Spanien noch Deutschland ergreifen konkrete Maßnahmen, um die Probleme in ihren eigenen Ländern Herr zu werden.“
Erschienen in: cafébabel.com, Übersetzung von Bianca Köndgen
(Die Wiedergabe erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Autors.)
Den ungekürzten Originalartikel (span.) finden Sie hier.