Ein Fest für Ilija Jovanović: 4.10.2015

Oktober 2nd, 2015  |  Published in Literatur & Bücher, Veranstaltungen & Ausstellungen

ilijaDatum: 4.10.2015, 14:00 bis 17:00 Uhr
Ort: Park vor dem Romano Centro,
Wildgansplatz / Hofmannsthalgasse 2, 1030 Wien

Roma-Orte: Wien bekommt Ilija-Jovanović-Park

Roma und Sinti sind seit langem Teil der Wiener Bevöl­ke­rung und der Ge­schich­te der Stadt. Aber nur sehr weni­ge Wiener Straßen und Plätze sind auch nach Roma oder Sinti be­nannt: Der Baranka-Park (Favoriten, be­nannt 2003), der Ceija-Stojka-Platz (Neubau, be­nannt 2014), der Sinti- und der Lovaraweg so­wie der Romaplatz (alle am Bruck­haufen in Florids­dorf, be­nannt 2001). Romano Centro hat der Bezirks­ver­tre­tung vor­ge­schla­gen, den Park vor sei­nem Vereins­lokal am Wild­gans­platz in Wien-Landstraße nach dem 2010 ver­stor­be­nen Dichter Ilija Jova­nović benen­nen. Die Bezirks­ver­tre­tung unter­stützt diesen Wunsch mit der Zu­stim­mung aller Frak­tio­nen.

Ilija Jovanović (1950–2010)

Ilija Jovanović, wurde 1950 in einer Roma­siedlung in Rumska (Serbien) geboren. Trotz der schwie­ri­gen Lebens­bedin­gun­gen gelang es dem Vater, Ilija schon früh für Literatur zu be­geis­tern. 1970 kam Ilija Jova­nović nach Österreich, er fass­te in Wien Fuß und be­gann neben seiner Arbeit im AKH zu schrei­ben, zu­nächst in Serbisch, später in Deutsch und in seiner Mutter­spra­che Romanes, und er enga­gierte sich in meh­re­ren zivil­gesell­schaft­li­chen Orga­ni­sa­tio­nen, vor allem im Romano Centro, das er 1991 ge­mein­sam mit anderen begrün­dete und dessen Obmann er viele Jahre war. Die Lernhilfe für Roma, die der Verein seit 20 Jahren durch­führt und die hun­der­ten von Roma-Kin­dern zu schu­li­schem Erfolg ver­hol­fen hat, geht auf seine Initia­tive zurück. Ilija Jova­nović hat seine Gedichte in drei eige­nen Lyrikbänden und zahl­rei­chen Antho­lo­gien ver­öffent­licht. Er erhielt meh­rere Aus­zeich­nun­gen, u.a. den Theodor-Körner-Preis 1999 und den Exil-Lyrik-Preis 2010. Im Jahr 2008 wurde ihm das Bundes-Ehren­zeichen für Ver­dienste um den inter­kultu­rel­len Dia­log ver­lie­hen. Eine beson­dere Aus­zeich­nung für ihn war, dass die Literatur­nobel­preis­trä­gerin Elfriede Jelinek das Nach­wort zu seinem letz­ten Buch ver­fasst hat.

Lyrikbände von Ilija Jovanović: Budžo/Bündel, 2000, Eye Literatur­verlag; Vom Wegrand/Dro­mese rigatar, 2006, Drava Verlag und Mein Nest in deinem Haar/Moro kujbo ande ćire bal, 2010, Drava Verlag.

Roma Pride 2015

Das Fest für Ilija-Jovanović wird im Rah­men der inter­na­tio­nalen Roma Pride ver­an­stal­tet. Seit 2011 ruft EGAM (European Grassroot Antiracist Movement) jähr­lich am ersten Sonn­tag im Okto­ber zur Roma Pride auf. Heuer finden in 15 euro­päi­schen Haupt­städten Aktio­nen statt, in denen auf die Leis­tun­gen von Roma hin­ge­wie­sen und Respekt ein­ge­for­dert wird. EGAM hat dazu ein Manifest heraus­gegeben, in dem auf den fort­dauern­den Skandal des Schweine­mast­betriebs auf dem Gelände des ehe­ma­ligen KZ im tsche­chi­schen Lety hin­ge­wie­sen wird. Hier waren mehr als 1.300 Menschen – über­wie­gend Roma – gequält und aus­gebeu­tet worden, wurden von hier in die Ver­nich­tungs­lager ge­schickt. In den 1970er Jahren wurde der Schweine­mast­betrieb auf den Fun­da­men­ten des ehe­ma­li­gen Lagers errich­tet, sein Betrieb wird mit EU-Mitteln ge­fördert. Zahl­reiche Proteste haben bis­her nichts daran ge­än­dert.

Ein Fest für Ilija Jovanović

Romano Centro veranstal­tet das Fest für Ilija Jova­nović im Rahmen der Roma Pride und bringt damit seinen Stolz auf den Dichter zum Aus­druck. Auf dem Programm ste­hen eine zwei­sprachige Lesung (Cecilé Cordon und Simonida Selimović lesen), die Auf­füh­rung der von Ferry Janoska ver­ton­ten Version des Wiegenliedes/ Kunaći đili (Barbora Botosova/1. Violine, Simona Vajdulakova/2. Violine, Tatjana Bobekova/Viola, Jan Vajcovec/Cello, Tomi Gaspierik/Bass, Agata Siemaszko/Gesang und Ferry Janoska/Bandoneon).
Weitere Programmpunkte sind Musik von Ruzsa Nikolić-Lakatos sowie Darko und Danijel Piler, Tanz­dar­bie­tung von Romano Ilo und die Vor­füh­rung des filmi­schen Porträts „Vom Wegrand in den Fluß“ von Florian Gehrer, Rosina Hecher, Barbara Koch, Sarah Prucha, Florian Sabary und Julia Siam.

(Text: Romano Centro)

Comments are closed.