Tschechien: Roma-Mieter unerwünscht
September 4th, 2015 | Published in Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht
Erstmals Urteil gegen Diskriminierung von Roma auf dem Wohnungsmarkt
NGOS und Hilfsorganisationen kritisieren die Benachteiligung von Roma auf dem tschechischen Wohnungsmarkt seit langem. Veronika Navrátilová ist Anwältin bei der Vereinigung „IQ Roma Servis“:
Wenn jemand zur ethnischen Gruppe der Roma gehört, interessiert die Eigentümer alles Weitere gar nicht mehr, sie sehen Roma als potentielle Gefahr. Daher glauben wir, dass ihre Chancen auf eine menschenwürdige Wohnung außerhalb von Roma-Ghettos fast bei null liegen – wegen der Ethnizität.
Dass es sich nicht um haltlose Vorwürfe handelt, hat nun ein sogenannter Situationstest gezeigt. Die Romni Lenka Balogová bewarb sich im Auftrag der tschechischen Ombudsfrau um eine Wohnung in Ustí nad Labem / Aussig an der Elbe. 2013 war das, und Balogová erhielt für eine konkrete Wohnung eine Absage per Telefon. Mitte August hat ein Gericht in Litoměřice / Leitmeritz entschieden, dass sich die Maklerin dafür entschuldigen muss. Miroslav Dvořák ist Leiter der Beratungsstelle für Bürger- und Menschenrechte in Prag. Seine Organisation hat den Situationstest im Kreis Ustí durchgeführt. Für ihn ist das Urteil ein Durchbruch im Kampf gegen Diskriminierung:
Es ist überhaupt das erste Urteil dieser Art in Tschechien. Das Gericht hat entschieden, dass es sich bei der Ablehnung von Frau Balogová um Diskriminierung, und zwar um direkte Diskriminierung handelt. Die Richter bezogen sich darauf, dass die Makleragentur abgelehnt hat, ihr wegen ihrer ethnischen Zugehörigkeit eine Wohnung zu vermitteln. Die Agentur hat die Maklerin selbst nach der ethnischen Zugehörigkeit gefragt.
Lesen Sie bitte den hier nur in einem Auszug wiedergegebenen Artikel von Annette Kraus in voller Länge auf www.radio.cz.