Pogrom in Irland: 3 Familien evakuiert
Oktober 30th, 2014 | Published in Rassismus & Menschenrechte
Lynchmob attackiert Wohnhaus in Waterford – drei Roma-Familien evakuiert
In der südirischen Stadt Waterford zog vergangenes Wochenende ein Lynchmob zu einem von Roma bewohnten Wohnhaus in der Manor Street. Rund 200 Personen waren dem über Facebook verbreiteten Aufruf gefolgt, um gegen die in der Stadt lebende Roma-Gruppe vorzugehen. Der Mob macht diese für kriminelle Vorfälle in der Gegend verantwortlich. Die Menschenmenge rief „Roma raus!“ und attackierte das Wohnhaus. Bei dem Angriff wurde die Eingangstüre eingetreten, alle Fenster im Erdgeschoss wurden eingeschlagen. Verletzt wurde dank dem Eingreifen der Polizei niemand. Drei Familien, darunter auch Kleinkinder, wurden evakuiert. Die Familien wurden fürs Erste in einem geschützten Ort untergebracht und wagen sich nicht auf die Straße. Presseberichten zufolge handelt es sich bei dem Großteil der angegriffenen Roma nicht um neu Zugezogene, sondern um Personen, die fast ihr ganzes Leben in Irland verbracht haben, viele haben die irische Staatsbürgerschaft.
Gestern demonstrierten schockierte Einwohner von Waterford und Anti-Rassismus-Gruppen gegen die Gewalt in ihrer Stadt. Der Vorfall hat in Irland eine Debatte über die rechtliche Handhabe gegen rassistische Hetze und „hate crimes“ ausgelöst. Deutliche Worte kamen auch von der Regierung: Der für Minderheiten zuständige Minister Aodhan O Riordain verurteilte den Angriff als „billig und feig“: „Wäre ich ein Mitglied der Roma-Community und lebte in Waterford – oder wäre ich ein Mitglied der Roma-Community in Irland –, wäre ich im Moment ziemlich in Angst und Schrecken.“
(R. Urbaner/dROMa)