„Roma Pride“: Ungarn marschieren für Roma

Oktober 21st, 2014  |  Published in Rassismus & Menschenrechte, Veranstaltungen & Ausstellungen

Budapest Roma Pride 2014 (Foto: RomaPride)Am Sonntag nahmen mehrere hundert Un­garn und inter­na­tio­nale Gäste an ei­nem „Roma Pride“-Marsch zu Ehren der dis­kri­mi­nier­ten Roma-Min­der­heit teil. Die Ver­anstal­tung in der Buda­pes­ter Innen­stadt bil­dete den Ab­schluss einer Reihe von Ro­ma-Mär­schen in ganz Europa. Bei der De­monstra­tion riefen die Teilnehmer zum Kampf für gesell­schaft­liche Gleich­berech­ti­gung auf. „Die Ver­anstal­tung von unga­rischen Roma-Or­ga­ni­sa­tio­nen, Bür­ger­rechts­grup­pen und inter­na­tio­na­len Partner­grup­pen ist als selbst­bewuss­ter Kontra­punkt gegen die weit­ver­brei­te­ten Vor­ur­teile und die reale und sys­te­ma­ti­sche Diskri­mi­nie­rung ihrer Volks­gruppe gedacht“, heißt es dazu im Pester Lloyd:

Die Ver­anstal­ter bekla­gen, dass über die Roma gene­rell und spe­ziell in Ungarn „fast nie etwas Posi­ti­ves zu hören oder zu lesen ist“, auch diese me­diale Aus­gren­zung bzw. Ein­sei­tig­keit ver­stärkt die Tren­nung von Mehr­heit und Min­der­heit. Über den Stolz (Pride) jedoch bekom­me man auch Selbst­be­wußt­sein, das es braucht, um sein Schick­sal in die eigenen Hände zu neh­men – auch wenn das von den Regie­ren­den nicht gewollt ist.

In einer Petition wurde u.a. gefor­dert, die Existenz eines Holocaust an Roma – und auch deren Ver­fol­gung im nazis­ti­schen Ungarn – zum Gegen­stand im Schul­unter­richt zu machen. (…) Weitere Kritik rich­tete sich an die Betrei­ber der oft demü­ti­gen­den und gezielt auf Roma zu­ge­schnit­tenen Kommunalen Beschäf­ti­gungs­pro­gramvme, ge­gen die gän­gige Praxis der Segre­ga­tion von Schul­kindern (und) schlech­ten Zugang zu Gesund­heits­ver­sor­gung.

„Dieser Tag ist für alle da – egal ob Roma oder Nichtroma“, sagte der Haupt­orga­nisator des Marschs, Jenő Setét von der Roma-NGO Ide tartozunk („Wir gehö­ren hier­her“): „Wir zeigen damit den Stolz unserer Gemein­schaft und unseren posi­tiven Beitrag für Un­garn.“ Das An­lie­gen der Roma wurde bei der Ver­anstal­tung u.a. auch von Vertre­tern der jüdi­schen Gemeinde und von LGBT-Grup­pen un­ter­stützt.

„Roma Pride ist unsere Antwort auf den derzei­ti­gen An­stieg von Natio­na­lis­mus, Rassis­mus und Anti­semitis­mus in Europa, beson­ders in Ungarn“, erklärte Benjamin Abtan, Vor­sitzen­der einer fran­zö­si­schen Anti­rassis­mus-Ini­tia­tive (EGAM / European Grassroots Antiracist Movement). „In ganz Europa setzen wir uns ein für den Stolz und den Respekt gegen­über der Würde der Roma“, verwies Abtan auf die inter­na­tio­nale Ver­anstal­tungs­serie unter dem Titel „Roma Pride“.

Die Ergebnisse der Kommunalwahlen in Ungarn vor zwei Wochen geben Anlass zur Sorge: Die rechts­extre­me Partei Jobbik, die gegen Roma und Juden hetzt, ist nun in 18 der 19 Land­kreise vertre­ten und zweit­stärkste Kraft hin­ter den regieren­den National­kon­ser­va­tiven (Fidesz). Auf natio­naler Ebene kam Jobbik im April auf über 20 Prozent der Stim­men. Besorg­nis­er­re­gend sind auch die jüngsten Meldungen über die Nach­fol­ge­orga­nisa­tio­nen der ver­bo­te­nen Ungarischen Garde: Letzte Woche grün­dete sich in Budapest die ver­bo­tene Job­bik-Bürgerwehr „Schönere Zukunft“ neu, ohne dass die Polizei einschritt. Und das Ver­fah­ren gegen die paramilitä­ri­sche „Neue Ungarische Garde“ wurde aus forma­len Gründen ein­ge­stellt.

(dROMa-Red.)

Comments are closed.