Am Schauplatz: Die letzten Fahrenden (ORF)

August 17th, 2014  |  Published in Brauchtum & Tradition, Radio, Podcast & TV

Hausübungen im Wohnwagen (Filmstill aus "Die letzten Fahrenden")Reportage von Simon Schennach
ORF: Am Schauplatz vom 14.8.2014 (52 min)

Whg. am: 
15.8.2014, 01:30; 
18.8.2014, 11:50

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Sobald es warm wird, sind sie mit ihren Wohnwagen­gespan­nen auf Europas Straßen unter­wegs – fahrende Roma und Sinti. Inzwi­schen ist es nur mehr eine kleine Minderheit, die diese Tradition wei­ter­lebt. Wo fahren sie hin? Wo kom­men sie her? Wie sieht ihr Alltag aus? Man weiß wenig über sie. Fremden gegen­über sind ,die Fahrenden‘ meist ver­schlossen.

Familie Emler lebt das halbe Jahr in einer Wohnung bei Frankfurt. Von März bis Okto­ber sind die deutschen Sinti dann aber als Fah­rende unter­wegs. Ein mehr­wöchi­ger Aufenthalt in ihrem Lieb­lings­land Österreich gehört dabei zum Fix­programm. Auf ihre Wurzeln und Tradi­tio­nen sind die Emlers genauso stolz wie auf ihren picobello geputzten Wohnwagen. „Das Wich­tigste ist für uns die Familie“, sagt Tochter Evelyn: „Wir sind ständig zusam­men. Dass ich meine Eltern und Geschwis­ter nur alle paar Monate sehe, könnte ich mir nicht vor­stellen. Um unseren Zusam­men­halt beneiden uns die ande­ren Camping­gäste auch.“ Die Emlers – Groß­eltern, Kinder, Enkel­kinder – sind Stamm­gäste auf einem Camping­platz am Linzer Pichlingersee.

Auf den meisten Campingplätzen sind Roma und Sinti übrigens unerwünscht. Spe­zielle Durchreiseplätze für fahrende Familien gibt es nur in Braunau und Linz. Andern­orts campieren die Fami­lien meist auf Parkplätzen am Stad­trand. Wie die Sippe von Josef Roma aus Straßburg. Er handelt mit Teppichen und arbeitet als christlicher Prediger. Des­wegen nennen ihn alle ,den Pastor‘. Josef liebt Öster­reich. Nur warum er und die seinen immer noch vieler­orts als ,Zigeunerpack‘ beschimpft werden, ver­steht er nicht. „Wir zahlen Steuern wie alle ande­ren“, entrüstet er sich.

In Westösterreich tun sich die Durchfahrenden besonders schwer. Es gibt kaum Plätze, wo sie bleiben können. In Tirol sucht die Landes­regie­rung deswegen seit Jahren verzwei­felt nach einem pas­senden Rastplatz. Doch eine Gemeinde nach der anderen winkt ab. Jetzt hat sich ein junger Alten­betreuer frei­willig gemel­det: David Holzer aus Leisach (Osttirol). Er hat ein Wiesen­stück vor seinem Haus angebo­ten. Viele Dorf­bewoh­ner sind entsetzt. „Die Zigeuner nehmen die Kinder mit“, prophe­zeit eine junge Frau. Jetzt steht die Gemeinde vor einer schwie­rigen Ent­schei­dung. Wird sie die Gegner unter­stützen? Oder David Holzer? Der Hand­werker Josef Kalser unter­stützt Holzers Idee eines Durchreiseplatzes: „Ich finde das eine gute Sache. Wenn wir die Roma und Sinti nicht hätten, wären wir wieder ein Stück ärmer – das sind die Beduinen Europas!“

(Programmankündigung, ORF.at)

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