Spanien: Mob steckt Wohnungen in Brand
Juli 7th, 2014 | Published in Rassismus & Menschenrechte
In Estepa, einer 13.000-Einwohner-Stadt nahe Sevilla, kam es am Samstag zu einem Pogrom gegen Gitanos (spanische Roma). Ein Mob von – laut offiziellen Angaben – rund 400 Personen hatte sich über die Sozialen Netzwerke zu einer nicht genehmigten Kundgebung gegen Angehörige der Minderheit verabredet. Dabei kam es zum Angriff auf sechs Wohnungen, zwei wurden in Brand gesteckt. Verletzt wurde jedoch niemand.
In der Kleinstadt war in den letzten Monaten eine Einbruchswelle zu verzeichnen gewesen. Die Einwohner machen zwei Gitano-Familien aus der Gemeinde dafür verantwortlich. Der Bürgermeister der Stadt, Miguel Fernández Baena, bedauert die Gewalt, will aber „keinen Rassismus“ erkennen. Viele Medienberichte sprechen von „Selbstjustiz“ und „kriminellen Gitano-Clans“ und räumen der Argumentation der Demonstranten breiten Raum ein.
Wie es trotz der Anwesenheit von Polizei bzw. Guardia Civil zu den Gewaltakten kommen konnte, ist bislang unklar. Die Lage in der Kleinstadt ist weiter angespannt; die Polizeipräsenz wurde erhöht. Infolge der Vorfälle vom Samstag kam es heute Montag zu ersten Verhaftungen – verhaftet wurden allerdings nicht die Gewalttäter, die die Wohnungen in Brand gesteckt hatten, sondern drei der Einbrüche verdächtigte Angehörige der überfallenen Gitano-Familien. Wegen des Pogroms hingegen führte die Exekutive, unter deren Augen sich die illegale Versammlung abgespielt hatte, bisher keine Verhaftungen durch.
(dROMa-Red.)