„Ihr war klar, dass sie sterben könnte“

Januar 31st, 2014  |  Published in Allgemeines, Geschichte & Gedenken

Noncia und Parno (Foto: privat/via Tagesspiegel)Jahrestag der Auschwitz-Befreiung: Die Frau, die Dutzende Kinder vor dem Tod bewahrte

Tagesspiegel, 27.1.2014: Sie schmug­gelt sie aus Zügen, die nach Auschwitz fahren, sie sucht nach ihnen unter Leichen. Die Romni Alfreda (Noncia) Markowska rettet wäh­rend des Krie­ges in Polen Dutzende Kin­der vor dem Tod. Auch Karol (Parno) Gierlinski ist darun­ter. Er sagt: „Ihr war klar, dass sie ster­ben könnte“.

(…) Als jemand Noncia von einer Gruppe Roma erzählt, die in der Nähe in einem Wald um­gebracht wur­de, kom­men alle ihre schreck­li­chen Erin­ne­rungen wieder. „Als sie das gehört hat, ist sie sofort dorthin gefah­ren“, erzählt Parno. „Ein­fach so, ohne zu über­legen.“ In den Über­resten des Lagers im Wald findet Noncia ein Kind. Es ist ihr erstes. (…) Im Kreis von 100 Kilo­me­tern fährt sie überall dort hin, wo die Nazis gemor­det hatten oder polni­sche Dörfer verbrannt wurden. Unter den vielen Leichen sucht sie nach leben­den Kindern. Aus den Zügen nach Auschwitz oder Belzec, die in Stalowa Wola anhalten, schmuggelt sie die Kinder raus. Nie wird sie entdeckt. Viel­leicht hat sie einen Schutz­engel. Viel­leicht aber denkt auch einfach kein Wäch­ter daran, dass eine, für die als Roma ohne­hin nur der Tod voraus­zu­se­hen ist, sich die Mühe machen könnte, andere zu retten. Kleine Roma, Juden, Polen. (…) Ein paar Jahre später, als Noncia und ihr Ehe­mann hinter die Front nach Westen zie­hen (…), habe sie auch dort die verlo­re­nen Kinder auf­ge­nom­men

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. Deutsche Kinder.

„Sie hat erzählt, ihr sei klar gewesen, dass sie ster­ben könnte. Aber sie dach­te ein­fach nur daran zu über­leben“, sagt Parno. „Und dass die Kinder überleben.“ Manch­mal hat sie gleich­zeitig über zehn Kinder in Obhut. Einige ver­steckt sie bei befreun­de­ten Familien, Roma oder Polen in der Gegend. Andere leben in den Bahn­ar­bei­ter­baracken, fast vor den Augen der Deutschen. Jene, die keine Familie mehr haben, bleiben bei Noncia und wach­sen zusam­men mit ihren fünf leib­li­chen Kindern auf. Man­che aber bleiben nur ein paar Tage oder Wo­chen. (…) Unter ihnen ist auch der kleine Parno. Er trug einen Zet­tel mit der Adresse seiner Oma bei sich. (…)

Lesen Sie bitte den hier nur in einem Auszug wiederge­ge­be­nen Arti­kel von Agniesz­ka Hreczuk in vol­ler Län­ge auf Tagesspiegel.de.

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