KZ-Musik: Lieder aus der Hölle
Oktober 17th, 2013 | Published in Geschichte & Gedenken, Musik
Eigentlich ist Francesco Lotoro Musiker. Seit über 20 Jahren aber bereist der süditalienische Pianist und Komponist – meistens auf eigene Kosten – die Welt und sucht nach Musikstücken aus den Konzentrationslagern. Tausende Melodien, die im Angesichts des Todes entstanden sind, hat der 49-Jährige mittlerweise zusammengetragen. 407 der 4.000 archivierten Werke hat er mit einem Orchester eingespielt und 2006 in einer voluminösen CD-Edition (erschienen bei www.musikstrasse.it) publiziert: eine einzigartige Edition, die Lagermusik von Juden und Antifaschisten, von Sinti und Roma in einer „diskografischen Enzyklopädie“ versammelt. „Ein Bild kann man ins Museum hängen“, sagt er. „Aber Musik lebt erst, wenn sie gespielt wird.“ Nr. 20 der 24 CDs befasst sich mit den – mündlich weitergegebenen – KZ-Kompositionen von Roma. Deren Werke hält Lotoro für den authentischsten Ausdruck des Leidens in den Lagern: „Das Musikschaffen der Juden in Theresienstadt, der Polen in Auschwitz, der Benediktiner in Dachau war immer gefiltert vom mitteleuropäischen Geschmack der Epoche, vom Augenmerk, das sie auf die Partitur legten, auf die richtige Instrumentierung. In den Schöpfungen der Roma hingegen schlug sich die Lagersituation unvermittelt und mit voller Wucht nieder.“ Nirgendwo zeige sich das Leiden intensiver als in ihren Liedern.
Siehe: dROMa Nr 38 (2013)
(Roman Urbaner)