Das Roma-Gymnasium in Kremnica
Juni 14th, 2013 | Published in Jugend & Bildung, Medien & Presse
Ein privates Gymnasium im slowakischen Städtchen Kremnica bietet jungen Roma in ihrer Heimat eine Zukunftsperspektive, damit sie nicht wie ihre Eltern von Sozialhilfe abhängig werden. Das Internat fördert gezielt Kinder aus den ärmsten Roma-Slums im Osten des Landes.
Deutschlandfunk/Silja Schultheis, 11.6.2013: Freitagnachmittag im Internat von Kremnica. Um das elektrische Klavier haben sich etwa 20 Schüler versammelt – zum Singen und Tanzen. Sie werden das Wochenende in Kremnica verbringen. Nach Hause zu ihren Familien fahren sie erst in zwei Wochen wieder
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. Nach Hause, das heißt für die meisten der 51 Internatsschüler in die Ostslowakei, mehrere Busstunden entfernt – in sogenannte „osady“: Roma-Slums ohne Strom und fließend Wasser, mit einer Arbeitslosenrate von fast 100 Prozent. (…)
Am Gymnasium lernen sie in kleinen Klassen mit maximal 20 Schülern – Roma und Nicht-Roma gemischt. Die Kultur der Roma und ihre Sprache, Romanes, sind ein wichtiger Teil des Lehrplans. Ján Hero, der Schuldirektor, ein eleganter Herr mit weißem Haar, stammt selbst aus einer Roma-Siedlung. Regelmäßig fährt er in die Slums, um für seine Schule zu werben: (…) „Wir versuchen eine enorme Barriere zu durchbrechen. Denn für viele Roma ist Bildung einfach kein Wert. Aber wenn die Eltern einmal Vertrauen zu uns gefasst haben, sind sie durchaus bereit, ihre Kinder in die Schule zu schicken.“ Vertrauen aufbauen – die große Stärke von Ján Hero und Jana Tomová, der Gründerin und Seele der Schule. (…) Im Unterschied zu anderen Privatschulen zahlen die Eltern hier kein Schulgeld. Nur 20 Euro pro Monat für Essen, den Rest übernimmt der Schulträger, die NGO „Über die Kinder zur Familie“ von Jana Tomová. Zwar bekommt die Schule Förderung aus dem Europäischen Sozialfonds. Allerdings nicht für die laufenden Kosten, die den Löwenanteil ausmachen. (…) Neben dem Gymnasium mit Internat fördert ihre NGO noch eine Grundschule und (…) einen Kindergarten. (…)
Jedes fünfte Roma-Kind in der Slowakei besucht laut einer neuen UN-Studie eine Sonderschule für geistig Behinderte. Den Vorwurf systematischer Diskriminierung hat die slowakische Regierung wiederholt von sich gewiesen. Dennoch ist jetzt eine Debatte darüber entbrannt, wie sich die Bildungsmisere stoppen lässt. Kremnica könnte hier wegweisend sein. (…)
Bitte lesen Sie den hier nur in einigen Auszügen wiedergegebenen Artikel zur Sendung von Silja Schultheis in voller Länge auf dradio.de.