Ö1 Hörbilder: Raus aus Rom!

Januar 26th, 2013  |  Published in Politik, Radio & TV, Rassismus & Menschenrechte

Roma-Camp in Rom (Foto: Ö1)Dieser Zug hält in allen Stationen außer Salone


Die gezielte Vertreibung von Roma und Sinti aus der italie­ni­schen Hauptstadt

Ö1 Hörbilder, Sa, 26.1.2013, 9:05 Uhr
Feature von Christina und Martin Höfferer
Eine Woche lang nachzuhören auf 7 Tage Ö1

Ö1 Programm:Auf Höhe der Nummer 900 an der altrömischen Konsular­straße Via Casilina befand sich einst das größte Roma-Lager Europas. Das „Casilino Neun­hundert“ bildete eine Stadt in der Stadt mit eigenen Strukturen. Seine Anfänge lassen sich bis in die 1950er Jahre zurück­ver­folgen, als sich Familien aus Neapel und Sizilien auf dem freien Feld ansiedelten, Knoblauch und Artischocken ver­kauften und kleine Baracken errichteten.

Im Laufe der darauffolgenden Jahrzehnte wurden die Süd­italiener durch Roma abgelöst, Flüchtlinge aus Ex-Jugoslawien kamen, vor allem aus Maze­donien und aus dem Kosovo. Im Jahr 2008 erfuhr die Geschichte des Casilino Neun­hundert eine Wende, im Wahlkampf um das Bürger­meister­amt von Rom wurde der Zwist um das Lager zum zentralen Programmpunkt. Dem Lager wurde der Strom abgedreht, die Eingänge wurden abgesperrt und die 800 Bewohner fotografisch vermessen. Schließlich wurde das Casilino Neunhundert geräumt. Es war eine Vertreibung aus ethnischen Gründen. Nicht als Roma oder Sinti identifi­zierte Lager-Bewohner durften bleiben. Einige der Roma und Sinti flohen in andere europäische Länder, andere akzeptierten die Wegweisung, weil ihnen versprochen wurde, dass binnen vier Monaten die Stadt Rom den Roma Häuser und Arbeit geben würde. Dies jedoch blieben leere Versprechen.

Mittlerweile hat die Stadt an ihrer Peripherie Einrich­tungen für die registrierten Roma und Sinti errichtet. Sie leben dort in Containern auf der politischen Grundlage des soge­nannten „Piano Nomadi“, des “Nomaden-Plans”, mit dem die Roma und Sinti außerhalb der Stadtgrenzen verbannt werden sollen. Es sind Nomaden wider Willen. An die 500 Räumungen von Roma-Siedlungen ver­anlasste die Stadt Rom in den letzten Jahren eine Politik, die mehr als sechs Millionen Euro kostete und die zur Folge hatte, dass aus 80 Roma-Lagern im Jahr 2009 mittlerweile bis zu 300 impro­visierte Lage­rplätze wurden.

(Ö1 Programminformation, 26.1.2013)

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