Ungarn: Rassismus als Konsens?
Dezember 7th, 2011 | Published in Medien & Presse, Rassismus & Menschenrechte
Laut einer neuen Studie des in Budapest ansässigen Meinungsforschungsinstituts „Political Capital“ hat sich die Zustimmung zu rechtsextremen Positionen in Ungarn innerhalb weniger Jahre mehr als verdoppelt: Der Anteil der zustimmenden Antworten stieg von 10% im Jahr 2002 auf 21% im Jahr 2009 – ein im internationalen Vergleich einmalig hoher Wert. Beim international erhobenen „Radikalismus-Index“, der 33 Länder umfasst, nimmt Ungarn daher den fünften Platz ein. Aktuellen Umfragen zufolge käme die neonazistische Parlamentspartei Jobbik derzeit bereits auf über 20% der abgegebenen Stimmen. „Antisemitismus ist dabei stark auf dem Vormarsch, regelrecht verankert ist jedoch der Antiziganismus, dem auch der ,weltoffene‘ Teil der Gesellschaft erlegen ist“, schreibt dazu Hannah Hecker im „Pester Lloyd“:
(…) Schockierend, aber nicht unerwartet, ist, dass unter Jobbik-Anhängern 79% der Aussage zustimmen, dass Kriminalität bei Roma genetisch bedingt sei und diese daher zwangsläufig notorisch ist. (…) Was die gesellschaftliche Verbreitung von Rassismus deutlicher macht, sind jedoch die Positionen der Anhänger der anderen Parteien. Auch bei den „Sozialisten“, also den Anhängern der MSZP, und den Fidesz-Anhängern stimmen mit 61 und 60% Zustimmung mehr als die Hälfte dieser Aussage zu . Die niedrigste Zustimmung gibt es immerhin bei der grün-liberalen LMP-Partei, die wegen fehlender Abgrenzung ihrer Führungsfigur gegenüber Jobbik-„Kollegen“ immer mal wieder in die Kritik geraten ist. Doch für eine grün-liberale Partei, deren Anhänger eigentlich durch Weltoffenheit und ein Mindestmaß an humanistischer Grundbildung auffallen sollten, sind Zustimmungswerte zu rassistischen Aussagen von 49% eigentlich kein Grund, sich über den Titel der Partei mit den am wenigsten rassistischen Anhängern zu freuen. (…) Auch dass hier „nur“ 35% ihren Kindern verbieten würden, mit Romakindern in Kontakt zu sein, ist ein Wert, der zeigt wie tief gesellschaftlicher Rassismus auch bei sich sonst als aufgeklärt und liberal gebenden Ungarn verankert ist. (…)
Lesen Sie bitte den hier nur in einem Auszug wiedergegebenen Artikel in voller Länge im „Pester Lloyd“.