Eskalation der Gewalt in Gyöngyöspata
April 27th, 2011 | Published in Rassismus & Menschenrechte
Der Pester Lloyd berichtet von „offenen Kämpfen zwischen Roma und Neonazis“ in der ungarischen Gemeinde Gyöngyöspata, die in den letzten Wochen durch Aktionen neofaschistischer Gruppen gegen die Roma-Bevölkerung international für Schlagzeilen gesorgt hat. Nachdem fast 300 Roma aus dem Ort evakuiert wurden (die Regierung spricht von „Osterausflug“) und nach der polizeilichen Auflösung eines paramilitärischen Ausbildungscamps angreister Rechtsextremisten am Wochenende in ihr Dorf zurückgekehrt sind, eskaliert nun die Lage von neuem: Die Roma beginnen sich zu wehren – und diesmal gibt es Schwerverletzte. Der Pester Lloyd schreibt:
Am Dienstagabend gegen 21 Uhr wurde von Schlägereien zwischen lokalen Anwohnern der Roma und Mitgliedern bzw. Sympathisanten jener rechten Gruppen berichtet, die den Ort seit Anfang März belagern und am Osterwochende dort ein Wehrsportlager abhalten wollten. Es gibt mehrere Schwerverletzte. (…) Nach den bisher vorliegenden Informationen hat sich am Dienstag eine stetig wachsende Anzahl von Rechtsextremisten im Umfeld der „Véderő“ (Schutzmacht) im Ort bei einem einheimischen Unterstützer versammelt. Dabei kam es zu ständigen Provokationen, bei denen auch mit Schusswaffen hantiert worden ist. Später stießen Roma und Rechte direkt aufeinander, zunächst erschien nur eine Polizeistreife, nach und nach folgten immer mehr Einsatzkräfte. Die Situation eskalierte, als ein 14-jähriger Romajunge angegriffen wurde und Steine auf Wohnhäuser der Roma flogen, daraufhin kam es zu heftigen Krawallen mit drei Verletzten, als die Roma des Ortes begannen sich erstmals organisiert zu wehren. Rund 100 Roma gingen gegen die Angreifer vor. Mittlerweile hat ein Sondereinsatzkommando der Polizei für vorläufige Ruhe gesorgt, zwei der Rechtsextremisten wurden schwer verletzt abtransportiert, andere Quellen sprechen von vier, auch auf der anderen Seiten gab es mehrere Verletzte. Besonders erschreckend ist, dass die vorhersehbare Eskalation in dem Ort nicht schneller und resoluter von der Staatsmacht eingedämmt wurde, zumal bei der Vorgeschichte. (…)
Lesen Sie bitte den hier nur gekürzt wiedergegebenen Artikel in voller Länge im Pester Lloyd.
Aktualisierung, 26.4,2011, 18.00 Uhr:
Der Standard berichtet von einer weiteren Eskalation der Lage in Gyöngyöspata. Viele Roma würden nach der Gewalt am Dienstagabend neuerlich aus dem Ort fliehen:
„Der örtliche Roma-Vertreter Janos Farkas sagte, man wolle Busse für Evakuierungen organisieren, zumal eine Zuspitzung der Lage zu befürchten ist: Am Morgen nach der Schlägerei hatte die rechtsextreme Gruppe Betyarsereg („Betyaren-Armee“ ) 30 bis 40 Mann als „Verstärkung“ nach Gyöngyöspata geschickt.“
Auch der Spiegel berichtet von der jüngsten Entwicklung:
Dutzende Rechtsradikale fuhren „als Verstärkung“ in den Ort, die Extremisten warfen Steine auf Häuser von Roma-Bewohnern. Es gab wieder Schlägereien und Verletzte, hundert Roma sind erneut auf der Flucht. (…) Ungarische Rechtsradikale lassen die Spannungen mit der Roma-Bevölkerung offenbar erneut eskalieren. (…) Nach gewaltsamen Zusammenstößen sind viele Roma erneut auf der Flucht. Etwa hundert Vertreter dieser Minderheit verließen am Mittwoch den Ort, berichtete die ungarische Nachrichtenagentur MTI. Die Polizei sei mit einem großen Aufgebot präsent.