„Die Szenen sind gespenstisch“
März 18th, 2011 | Published in Medien & Presse, Politik, Rassismus & Menschenrechte | 4 Comments
Rechtsextreme Verbände haben in der ungarischen Gemeinde Gyöngyöspata die Macht in Form der Polizeigewalt an sich gerissen. Seit mehreren Wochen terrorisieren sie ungestraft die im Ort lebenden Roma. Der Bürgermeister hat die neofaschistische „Bürgerwehr“ gerufen, Einwohner sorgen für Kost und Logis, Staat und Polizei lassen sie gewähren. „Ist das die neue Roma-Strategie?“, fragt der Pester Lloyd:
(…) Am 10. März marschierten über tausend Jobbik-Anhänger in dem Ort mit 2500 Einwohnern auf oder wie es die Rechten ausdrücken „mit 2000 Ungarn und 500 Zigeunern“, um zu verhindern, dass der „Zigeunerterror eine Bürgerkriegssituation“ erzeugt. Seit Wochen patroullieren schwarzuniformierte „Bürgerwehren“ und Leute, die sich selbst tatsächlich „Gendarmerie“ nennen, meist kahlrasierte, stiernackige Männer, aber auch verhärmte kleine Wichtigtuer durch die Stadt und errichten „Kontrollpunkte“. „Wer sich nicht an die Regeln hält, sollte die Gegend lieber verlassen“, warnt einer (…). Der Terror hält bis heute an. In Reihen riegeln die „Garden“ und „Wehren“ das Romaviertel ab, die Roma trauen sich nicht mehr aus ihren Häusern, schicken ihre Kinder nicht mehr zur Schule. Sie haben Angst.
Die sollen sie auch haben, – immerhin, so berichtet der Bürgermeister László Tabi, ein „parteiloser Unabhängiger“, zufrieden gegenüber Medien, ist der Holzdiebstahl fast gegen Null zurückgegangen. Im übrigen hat das alles nur mit der Sorge der Bürger zu tun, nichts mit Jobbik, sprach er, während an seinem Haus überdimensionale Jobbik- und Árpádfahnen prangen. Die „Garden“ wollen bleiben, riegeln weiter die Romasiedlung ab – nun ist es auch sichtbar ein Ghetto, die Szenen sind gespenstisch.
Die Polizei hat ihre Präsenz in dem Ort mittlerweile erhöht, doch die Bürgerwehren machen ihre Arbeit, obwohl mittlerweile eine ganze Reihe von Anzeigen gegen sie vorliegen: Nötigung, Körperverletzung, Freiheitsberaubung etc. (…) Jobbik-Chef Gábor Vona, immerhin Abgeordneter zum ungarischen Parlamant, will gehört haben, dass die örtlichen Roma Rache geschworen haben, für den Tag, an dem die „Garden“ wieder abziehen. „Wenn nötig, werden wir doppelt oder dreifach so stark zurückkehren und eine Bürgerwehr für das ganze Land, in jedem Dorf organisieren“ „beruhigte“ er die „verängstigten Bürger“. Gleichzeitig rief er dazu auf, dass man das „ethnische Verhältnis“ in den von Roma stark besiedelten Gebieten „regulieren“ sollte, wie, sagte er nicht, aber er macht sich schon öfters Gedanken über die „extrem hohe Geburtenrate von Zigeunerfrauen“. (…)
Lesen Sie bitte den hier nur in einigen Auszügen wiedergegebenen Artikel in voller Länge im Pester Lloyd.
März 21st, 2011 at 10:32 (#)
[...] mit Gilda Horvath für Radio Kaktus von der schrecklichen Situation in Gyöngyöspata (mehr hier und hier). Seit zwei Wochen marschieren in der Gemeinde am Südrand der Mátra im Norden Ungarns zwischen [...]
April 7th, 2011 at 08:13 (#)
[...] des Dorfes Gyöngyöspata durch eine Nachfolgeorganisation der „Ungarischen Garde“ (mehr z. B. hier) sei leider „das beste Beispiel“ für das Versagen der Europäischen Union im Bezug auf [...]
April 23rd, 2011 at 09:21 (#)
[...] „Szebb Jövöt“, einer Nachfolgeorganisation der verbotenen Ungarischen Garde, belagert worden, die als selbsternannte Ordnungsmacht durch die Straßen patrouillierten und die Roma-Bevölkerung [...]
Juni 18th, 2011 at 16:25 (#)
[...] im Fall der unter den Augen der Polizei wochenlang bedrohten Roma von Gyöngyöspata (mehr etwa hier oder hier) kritisiert worden. Ein Hilferuf der Roma aus der Ortschaft sei versehentlich in ihrem [...]