Ebensee-Prozess: „Keine Lausbubenstreiche“
September 24th, 2010 | Published in Geschichte & Gedenken, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht
Radio Kaktus / WEBRADIO oe1campus
24.9.2010, 20:00 & 25.9., 20:30 & 27.9., 11:30 Uhr (on demand/mp3)
volksgruppen.orf.at: „Rassismus ist in der Mitte unserer Gesellschaft angekommen“, erklärte Wolfgang Quatember, Leiter der KZ-Gedenkstätte Ebensee, im Interview mit Gilda Horvath für Radio Kaktus anlässlich des Prozessauftaktes gegen vier Jugendliche wegen NS-Wiederbetätigung. Man werde nicht als Rassist geboren, sondern von Vorbildern bzw. der gesellschaftlichen Haltung dazu gemacht, so Quatember weiter. Deshalb sei er persönlich zwar für eine Strafe, aber gegen die Inhaftierung der jugendlichen Täter.
Der Wiederbetätigungsprozess gegen jene vier Jugendlichen, die im Mai 2010 an einer „Störaktion“ während der Gedenkfeier im ehemaligen KZ Ebensee beteiligt gewesen sein sollen, hat nun begonnen. Sie hatten neonazistische Parolen (Anm.: „Blood and Honour“, „Die Stollen gehören uns“, „Heil Hitler“ und „Sieg Heil, ihr Schweine“) skandiert, schließlich wurde sogar mit einer täuschend echt aussehenden „Softgun“ auf Zeitzeuginnen und Zeitzeugen geschossen. Einer der vermeintlichen Täter entschuldigte sich später schriftlich dafür. Ihnen drohen bis zu fünf Jahre Haft. Der Staatsanwalt Franz Haas hat in seinem Anklagevortrag betont, dass es sich bei den Vorwürfen „nicht um Lausbubenstreiche“ gehandelt habe. Drei der vier Jugendlichen waren zum Tatzeitpunkt 16, einer 14 Jahre alt. Sie hätten sich vorher verabredet, zu der Gedenkfeier zu gehen und „eine Gaudi“ zu haben, so Haas. Der heute 18-jährige Hauptangeklagte bekannte sich schuldig. Das Urteil steht noch aus.