Deutschland: Kirchenasyl für Roma-Flüchtlinge

Juli 5th, 2010  |  Published in Rassismus & Menschenrechte, Religion

KirchenasylNach der Unterzeichnung eines Rücknahmeabkommens stehen Tausende Kosovo-Roma in Deutschland vor der Zwangsabschiebung. Nach offiziellen Angaben leben derzeit etwa 14.000 Personen aus dem Kosovo in der Bundesrepublik, die von den Rückführungsplänen betroffen sind. Kosovo-Experten, Menschenrechts- und Flüchtlingsorganisationen hatten sich wiederholt für ein Bleiberecht für Minderheitenangehörige ausgesprochen. Im Zuge der jüngsten Gruppenabschiebungen aus Niedersachsen fanden einige Roma Schutz im Kirchenasyl. Während sich in Rotenburg/Wümme die Lage seither zuspitzt, scheinen sich in Göttingen Lösungen abzuzeichnen:

In Rotenburg droht zwei Roma-Frauen aus dem Kosovo wegen Formalien die Abschiebung nach Serbien. Die 70 und 49 Jahre alten Frauen leben seit April im Kirchenasyl der evangelischen Auferstehungsgemeinde. Weil der Landkreis Rotenburg ihre Abschiebung zwar ausgesetzt, aber nicht aufgehoben habe, könne die niedersächsische Härtefallkommission nicht tätig werden, sagte der Rotenburger Superintendent Hans-Peter Daub (…). Die beiden Frauen lebten mit einem 22-jährigen Sohn seit 19 Jahren in Deutschland. Daub zufolge befürwortet auch Landrat Hermann Luttmann (CDU) einen Antrag an die Härtefallkommission. Das Papier liege der Kommissionsvorsitzenden Tina-Angela Lindner neben mehr als 1.000 Unterschriften Rotenburger Bürger bereits vor. Doch sie dürfe den Antrag erst aufschlagen, wenn die Abschiebung formal aufgehoben ist. (…) Nach mehr als zehn Wochen im Kirchenasyl seien die beiden Frauen krank und seelisch sehr belastet, berichteten Unterstützer. Bei jedem vor dem Gemeinde haltenden Auto fürchteten sie die Abschiebung.

Im Göttinger Kirchenasyl zeichnen sich dagegen Lösungen ab. Einer der drei jungen Roma (17), die in der Christophoruskirche Zuflucht vor einer drohenden Abschiebung gesucht haben, ist in Absprache mit der Stadt Göttingen nach Hamburg gereist, sagte Pastorin Elke Reichardt. Er will dort einen Asylantrag stellen. Zwei weitere Flüchtlinge aus dem Kosovo halten sich weiterhin in der evangelischen Kirche auf. Für die beiden 19 und 23 Jahre alten Brüder solle in dieser Woche eine Aufenthaltslösung gefunden werden (…). Die Männer gehören zu einer Gruppe von 24 Roma und Aschkali, die vor drei Wochen ins Kosovo abgeschoben werden sollten. (…)

(Text: Evangelisch-Lutherische Landeskirche Hannovers, 5.7.2010)

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