Pécs 2010: Roma als Folklore und Störfaktor

Juli 2nd, 2010  |  Published in Medien & Presse, Politik

Kulturhauptstadt Pécs (Foto: Pécs 2010)Für den „Standard“ hat sich der Osteuropakorrespondent und Buchautor Gregor Mayer (mehr hier) im südungarischen Pécs umgesehen, das bekanntermaßen derzeit das Jahr als Europäische Kulturhauptstadt (Website) begeht. Den Anspruch, „der Multikulturalität städtebaulichen und kulturellen Ausdruck zu verleihen“, habe die Stadt, in der Ungarn u. a. mit Deutschen, Kroaten, Serben und Roma seit Jahrhunderten zusammenleben, allerdings nur halbherzig eingelöst (wir berichteten). Der Budgetanteil für die Minderheiten sei – mit 0,25 Prozent fürs Roma-Progamm – höchst bescheiden ausgefallen, während man für die „Verhübschung“ der Innenstadt, in der künftig für Roma kein Platz mehr ist, einiges springen ließ:

Tatsächlich gab es für die Roma, die stärkste Minderheit, schon im ersten Halbjahr umfassende Möglichkeiten der kulturellen Selbstdarstellung. Auftakt bildete im April das Landestreffen der Roma-Dichter und -Schriftsteller, im Juni folgte das vielbeachtete fünftägige Roma-Theaterfestival Bunte Kavalkade, organisiert vom Roma-Kulturverein Színes Gyöngyök (Farbperlen), mit Lesungen, Tanzvorführungen und einem Konzert mit dem Ensemble Parno Graszt (Weißes Pferd), das sich authentischer Roma-Folklore verschrieben hat. „Als schönen Erfolg“ verbuchte es István Kosztics, der Vorsitzende der Pécser Roma-Selbstverwaltung. Wermutstropfen sei, dass diese Programme der Roma, aber auch der Deutschen für die Pécser Präsentationen in den Ko-Hauptstädten nicht berücksichtigt wurden. Blickt man auf das Budget, wundert man sich ohnehin, mit wie wenig Geld die Nationalitäten ausgestattet wurden. An den Programmausgaben von 8 Milliarden Forint (rund 30 Millionen Euro) partizipieren sie gerade einmal mit 50 Millionen Forint, 20 Millionen Forint davon gehen an Roma-Programme.

Dabei entfallen die meisten Kosten für das Kulturhauptstadtjahr gar nicht auf Programme, sondern mit rund 120 Millionen Euro auf die enormen Ausgaben für die Stadtrenovierung. (…) Diese City-Verhübschung sei eine Gefahr für die in den alten Innenstadtmietskasernen lebenden meist arbeitslosen Roma, befürchtet der Soziologe János Zolnay von der Stiftung für vergleichende europäische Minderheitenforschung (EÖKIK) in Budapest: „Sie werden verdrängt und in die überfüllten Ghettos am Stadtrand abgeschoben“. (…)

Lesen Sie bitte den hier nur in Auszügen wiedergegeben Artikel ungekürzt auf derStandard.at.

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