Archive for Oktober 26th, 2026

Zeitzeuge Mano Höllenreiner gestorben

Oktober 26th, 2026  |  Published in Ehrungen & Nachrufe

Der deutsche Sinto wurde als Kind nach Auschwitz depor­tiert, über­lebte die Men­schen­ver­suche Josef Men­geles und ent­kam 1945 einem Todes­marsch. Erst spät konnte er über das Er­lebte be­rich­ten. Als Zeit­zeuge warn­te er vor Anti­zi­ga­nis­mus.

Hermann „Mano“ Höllenreiner, einer der letzten Sinti-Zeitzeugen des national­sozia­listi­schen Völker­mords an den Roma und Sinti, ist am 16. Okto­ber im Alter von 92 Jahren ge­storben. Er starb nach langer Krank­heit im Kreis seiner Familie in Metten­heim bei Mühldorf am Inn in Bayern, wie der Zentral­rat Deutscher Sinti und Roma, das Inter­natio­nale Auschwitz-Ko­mitee und der Verlag Hanser mit­teilten. Nur wenige Tage später hätte Mano Höllen­reiner seinen 93. Ge­burts­tag ge­feiert.

Am 19.10.1933 in eine deutsche Sinti-Familie geboren, wurde Mano Höllen­reiner im Früh­jahr 1943 mit neun Jahren gemein­sam mit Eltern und Geschwis­tern aus München-Giesing nach Auschwitz-Bir­kenau de­por­tiert. Dort geriet Mano in die Fänge des SS-Arztes Mengele: „Wie an zahl­reichen weite­ren Kindern führte der Lager­arzt Josef Mengele lebens­gefähr­liche medizi­nische Versuche an ihm durch“, berich­tet die Stiftung Denk­mal: „Höllen­reiner bezeich­nete Mengele später als »Teufel von einem Menschen«. Die ihm zu­gefügte Gewalt ließ ihn sein Leben lang nicht mehr los. Er erin­nerte sich aller­dings auch, wie sein Vater und seine Onkel, alle aus der Wehrmacht ent­lassene Soldaten, sich in Birkenau an einem tät­lichen Widerstand gegen die SS be­teilig­ten, zunächst mit Erfolg. Aus dieser mutigen Tat seiner Ver­wandten schöpfte er im Nach­hinein etwas wie Stolz und Genug­tu­ung.“

Mano Höllenreiner überlebte das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau sowie die Lager Ravensbrück und Sach­sen­hausen. Im Jänner 1945 entkam er als Elf­jähriger dem Todes­marsch aus dem KZ Sachsenhausen. Ehe­malige fran­zösische Häftlinge, die das ent­kräftete und verstörte Kind auf einer Land­straße auf­fanden, nahmen Mano mit nach Frankreich, wo er zu­nächst in einer Heil­anstalt und schließ­lich bei Pflege­eltern in Paris Auf­nahme fand.

Read the rest of this entry »