Infotext: Die Łódź-Deportationen 1941
Januar 24th, 2012 | Published in Geschichte & Gedenken | 1 Comment
Die größte Deportation österreichischer Roma und Sinti wurde zwischen dem 4. und 8. November 1941 durchgeführt. Angeordnet wurde sie am 1. Oktober 1941 durch Heinrich Himmler, der nahezu ausschließlich Burgenland-Roma für die Deportation nach Łódź (Ghetto Litzmannstadt) vorsah: 1188 Frauen, 1130 Männer und 2689 Kinder, insgesamt 5007 Personen.
Rund 2000 „Zigeunerinnen“ und „Zigeuner“ wurden aus den im Lager Lackenbach (damals Gau Niederdonau) Internierten ausgewählt, die übrigen 3015 stammten aus dem Gau Steiermark: 2011 davon aus dem Bezirk Oberwart (deren Abtransport erfolgte aus dem Sammellager Pinkafeld), 1004 aus den restlichen Gaubezirken (Abtransport aus dem Sammellager Fürstenfeld). Für die Selektion waren die jeweiligen Landräte verantwortlich.
Da die Anzahl der Deportierten von ursprünglich 7000 auf 5000 reduziert wurde, kam es zu einem regelrechten Feilschen um die Kontingentverteilung zwischen dem Gau Niederdonau und dem Gau Steiermark. Mit der Deportation von über 60 Prozent der gesamten Romapopulation kamen die steirischen Nationalsozialisten schließlich ihrem Ideal eines „zigeunerfreien“ Gaus einen bedeutenden Schritt näher: Laut Kriminalpolizeistelle Graz waren nach den Deportationen nach Łódź nur noch 1897 „Zigeuner“ im Gau Steiermark registriert, davon entfielen auf die Landkreise Oberwart 1289, Fürstenfeld 176, Feldbach 116, Hartberg 20 und Graz 26. Zudem waren noch 270 Männer in den obersteirischen „Arbeitslagern“ gemeldet.
Von den 5007 nach Łódź Deportierten hingegen überlebte kein einziger. Elf Personen starben bereits während des Transports, 613 kamen in den ersten Lagerwochen, großteils durch eine Fleckfieberepidemie, ums Leben, die restlichen 4383 „Zigeuner“ wurden ins Vernichtungslager Chełmno/Kulmhof überstellt und im Jänner 1942 in Gaswägen ermordet:
Am Ende waren die in Łódź Festgehaltenen so ausgehungert, krank und schwach, dass sie den Verursachern dieses schrecklichen Zustandes vollends als ‚Untermenschen‘ galten, die im Gas zu ersticken das einzig Mögliche sei.
(Michael Zimmermann: Verfolgt, vertrieben, vernichtet, S. 47)
(Text: Roman Urbaner/Romane Thana)
Siehe auch: Infotext: Das Lager Lackenbach (1940-1945)
Februar 25th, 2012 at 17:26 (#)
sagt:Das ist ja schon banheie Biblisch! Also eigentlich uber 2000 Jahre alt, diese Erkenntnis. Wer seine Schuld nicht eingestehen kann, ist reif fur die Holle. Nur, wer seine Schuld eingestehen kann, dem kann vergeben werden. Komisch, daY solche seit Urzeiten bekannten Wahrheiten, die man sogar uberall schriftlich bekommen kann, offenbar bei viel zu vielen Menschen noch nicht angekommen ist.