JÁNOS HORVÁTH
Rönök/Ungarn (geb. 1940 in Kukmirn (?))


Zur Person

Janos Horvath wurde 1940 in einer südburgenländischen Roma-Siedlung - vermutlich Kukmirn im Bezirk Güssing - nahe der ungarischen Grenze geboren. Dort lebte seine gesamte Großfamilie: seine Großeltern, seine Eltern und neun Geschwister - vier Brüder und fünf Schwestern. "Wir waren da und dort, und wir haben davonlaufen müssen in dieser Zeit, da gab es noch die Gendarmen, die haben uns geschlagen. So war es."

Aus den Erzählungen seiner Mutter weiß er, dass sein Vater, Sándor Horvath, an den er sich selbst nicht mehr erinnern kann, als Kesselflicker und Schirmmacher gearbeitet hat. Der Verdienst reichte jedoch bei weitem nicht aus, und so wie die anderen Roma-Familien war auch die Familie Horvath gezwungen, bei den Bauern um Essen zu betteln: "[Das Leben war] sehr arm, so arm, dass wir zu den Bauern, zu den alten Bauern gegangen sind, um zu betteln, denn damals haben sie uns noch was gegeben, ein wenig Brot oder ein wenig Milch oder ein paar Kartoffeln oder irgendwas. So haben wir gelebt."

Sándor Horvath wurde zur Wehrmacht einberufen und fiel, wie nahezu alle wehrmachtsangehörigen Roma, den Verhaftungen infolge des "Auschwitzerlasses" vom Dezember 1942 zum Opfer. Der Großteil der Familie Janos Horvaths dürfte in den nationalsozialistischen KZs ermordet worden sein. Von den Deportierten hat man nie wieder etwas gehört.

"Als der Hitler aber den großen Krieg gemacht hat, da haben sie dann die Roma und die Juden zusammengetrieben, und wen sie konnten, haben sie weggebracht. Das ist sehr schnell gegangen. […] Es war so: Sie haben ihnen gesagt, dass sie alles zusammenpacken sollen, alles, was sie tragen können. So hat mir das meine Mutter erzählt, ich weiß es nicht, ich war nicht dabei. Und später haben sie sich entkleiden müssen, alles ausziehen, und sie haben sie irgendwo hineingebracht zum Baden oder irgendwas, und dann sind sie nicht mehr herausgekommen. So wie meine Mutter gesagt hat, sind sie nach Auschwitz gebracht worden, aber auch in andere Lager. Dort waren sie dann, oder dort, wo sie Gas oder was auch immer auf sie heruntergelassen haben, und dann waren sie nicht mehr."

Als sich die Situation immer mehr zuspitzte, entschloss sich die Mutter, mit ihren zwei kleinsten Kindern - mit Janos und seiner kleinen Schwester - über die Grenze nach Ungarn zu fliehen. Sie waren über Jahre auf der Flucht, hausten in den Wäldern und aßen, was die Soldaten weggeworfen hatten. Janos Horvaths kleine Schwester überlebte diese Zeit nicht und starb mit nicht einmal sechs Monaten: "Es hat Armut geherrscht, auch meine Schwester ist verhungert. Ich muss es sagen, wie es ist. Es hat nichts zu essen gegeben. Sie haben nur geschossen, [...] und wir haben nicht hinausgehen können, nirgendwohin, um Essen für sie zu besorgen." Mit dem Einmarsch der Roten Armee 1945 besserte sich die Lage der Roma: "Die Russen, die haben uns gemocht, weißt du. Die haben auf uns geschaut, die haben auf uns aufgepasst. Aber da war es schon besser, als die Russen gekommen sind, da war es schon besser. Da haben wir uns vor den deutschen Soldaten schon nicht mehr fürchten müssen."

Die Mutter Janos Horvaths heiratete wieder und baute sich mit ihrem einzig verbliebenen Sohn ein neues Leben auf. Sie bezogen ein leer stehendes Haus, das ihnen überlassen wurde. Die Schule konnte Janos Horvath jedoch nicht mehr nachholen, er ist Analphabet geblieben. Heute arbeitet er als Eisensammler, kommt mit seinen Nachbarn relativ gut aus, obwohl es auch immer wieder zu Problemen zwischen den Roma und den Gadsche kommt. Er selbst bleibt davon jedoch unberührt. "Damit ich nicht so arm bin, nehme ich das, was mir andere geben, weißt du, denn dafür muss ich nichts bezahlen. Was soll ich machen?"

Was die Zukunftsperspektiven der Roma betrifft, ist Janos Horvath eher skeptisch: Seiner Meinung nach leben zu viele Roma von Sozialleistungen, ohne selbst Verantwortung für ihr Leben zu übernehmen. Zudem hätten viele Roma mit den kulturellen Traditionen gebrochen: Nur wenige würden noch Roma-Musik spielen - Janos Horvath selbst spielte früher Geige - und nur ein kleiner Teil könne noch Roman, auch nicht seine Kinder. Die meisten Roma würden sich vor den Nicht- Roma schämen, Roman zu sprechen. Eine Haltung, die ihm zum Teil nachvollziehbar erscheint, weil viele Roma aufgrund ihrer Herkunft keine Arbeit fänden und somit in einem Teufelskreis gefangen seien. Aber nur wenn alle Roma eine Arbeit hätten, "könnte die Kultur gehoben werden, und dann könnten sie (die Gadsche) nicht sagen: ‚Ha, dieser Cigan arbeitet nichts, der geht nur saufen’, dann wäre es schon anders, weißt du."

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