WILHELM HORVATH
Oberpullendorf (geb. 1934 in Langental)


Zur Person

Wilhelm Horvath wurde 1934 in Langental (Gemeinde Großwarasdorf, Bezirk Oberpullendorf im Burgenland) geboren. Die Größe der Siedlung, deren kleine Häuser nur Zimmer und Küche umfassten, setzt Herr Horvath mit 70 Personen vergleichsweise niedrig an. Auch für die neun Mitglieder der Familie Horvath stand lediglich ein Schlafzimmer zur Verfügung, obwohl es ihnen aufgrund des Musikerberufs des Vaters materiell geringfügig besser als den meisten anderen Burgenland-Roma ging. Musiker genossen zudem ein höheres Ansehen bei den Nicht-Roma. Wilhelm Horvath erzählt, dass es gelegentlich auch zu Kontakten und Freundschaften zu Nicht-Roma kam, wenngleich "die Mehrzahl [...] gegen die éZigeuner’" war. Wilhelm Horvath bezeichnet das mehrsprachige Aufwachsen in Langental heute als "die beste Schule". Schon als Kind erlernte er die vier in der Region gebräuchlichen Sprachen - Roman (Burgenland- Romani), Deutsch, Ungarisch und Kroatisch -, und profitierte von diesen Sprachkenntnissen sein Leben lang.

Dass er die NS -Zeit überhaupt überlebte, hatte er dem Geschick und den guten Kontakten seines Vaters zu verdanken. 1940 wurden nahezu alle Bewohner der Roma-Siedlung Langental ins "Zigeunerlager" Lackenbach transportiert - unter ihnen auch die Großmutter Wilhelm Horvaths, deren Versteck von einem benachbarten Nicht-Rom verraten wurde und die zwei Wochen später in Lackenbach verstarb. Die Familie Horvath war zwei Jahre in Lackenbach interniert, blieb jedoch von den ärgsten Repressalien verschont. Wilhelm Horvaths Vater wurde außerhalb des Lagers im Meierhof (bei Unterpullendorf) eingesetzt, und es gelang ihm gelegentlich, Nahrungsmittel für seine Familie ins Lager zu schmuggeln. Dank der Intervention von Herrn Kautz, dem er als Zwangsarbeiter zugeteilt war, konnten im Oktober 1942 alle Familienmitglieder den Lagerkomplex verlassen und in den Meierhof nachkommen. Die Familie Horvath entging damit der drohenden Deportation nach Auschwitz-Birkenau. Familie Horvath und Familie Kautz blieben bis heute eng miteinander verbunden, was nicht zuletzt darauf zurückzuführen ist, dass ein Bruder Wilhelm Horvaths 1945 die Familie Kautz vor einem betrunkenen russischen Soldaten rettete. 1945 kehrte die Familie Horvath heim nach Langental, und Wilhelm Horvath konnte die verlorenen Schuljahre nachholen. Da er ein ausgezeichneter Schüler war, konnte er innerhalb von zwei Jahren vier Klassen absolvieren. Mit 14 Jahren entschloss er sich, der Familientradition zu folgen und Musiker zu werden. Sehr bald wurde man auf sein Talent als Bassist aufmerksam. Im Unterschied zu den meisten bemerkenswerten Roma-Musikern aus dem Burgenland hatte Wilhelm Horvath jedoch die Möglichkeit, ein Konservatorium zu besuchen. Seine Zielstrebigkeit ließ ihn in den kommenden Jahren zu einem hervorragenden und begehrten Musiker reifen, der keine Schwierigkeiten hatte, von namhaften Kapellen engagiert zu werden.

Bereits 1948 ging Wilhelm Horvath nach Deutschland und fand Aufnahme in einer bekannten Roma-Kapelle. Er berichtet von keinerlei Schwierigkeiten, die mit der Migration verbunden gewesen wären. Auch was die Beziehung zu Nicht-Roma betrifft, hatte er in Deutschland kaum Probleme; in seiner Heimat hingegen hätte es diese sehr wohl gegeben, weil man in Österreich "der größte Künstler sein [kann], am Ende bist du doch nur der éZigeuner’".

In Deutschland führte Wilhelm Horvath von Beginn an ein zufriedenes Leben, verdiente gut, und war - mit Auftritten, Schallplatten und Operettentourneen - äußerst erfolgreich. 1960 heiratete er und zog zwei Jahre später mit seiner Frau nach Rom. Es dürfte ein mondänes Leben gewesen sein, das sich für das junge Ehepaar dort einstellte: Kontakte zum großbürgerlichen und adeligen Milieu waren selbstverständlich, Wilhelm Horvath war an internationalen Filmproduktionen beteiligt und lernte - etwa im "Piccolo Budapest", wo er engagiert war - einflussreiche und berühmte Künstler und Schauspieler (wie Gina Lollobrigida oder Tony Curtis) kennen. Wilhelm Horvath hat seine aktive Karriere als Musiker beendet und lebt seit einigen Jahren mit seiner Frau wieder im Burgenland.

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