ADOLF PAPAI
Oberpullendorf (geb. 1931 in Langental)


Zur Person

Adolf Papai wurde 1931 in Langental, einem kleinen Ort im Bezirk Oberpullendorf, Burgenland, geboren. Er hatte drei Schwestern, die, ebenso wie seine Eltern, bereits verstorben sind. Adolf Papai setzt die Gesamtzahl der vor 1938 bei Langental lebenden Roma mit bis zu 350 vergleichsweise hoch an, nicht einmal ein Drittel habe die NS -Zeit überlebt. Die Armut war erdrückend. Adolf Papai beschreibt es fast als Privileg, dass er mit acht Jahren zu den Bauern "für ein Stück Brot" arbeiten gehen durfte. Etwas besser ging es den Langentaler Roma-Musikern, die sich auf Kirtagen und Festen ein Zubrot verdienen konnten. Trotzdem waren Frauen und Kinder gezwungen, bei den Bauern als Tagelöhner für das alltägliche Überleben zu arbeiten.

Aufgrund des 1938 in Kraft tretenden Schulverbots konnte Adolf Papai nur eineinhalb Jahre die Schule besuchen. Sein damaliger Lehrer - Herr Gyöngyes - unterstützte als einer der wenigen seines Berufstandes die Roma-Kinder und unterrichtete sie trotz Schulverbotes noch einige Zeit weiter. Für sein Engagement wäre er Adolf Papai zufolge beinahe ebenfalls in Lagerhaft gekommen. Adolf Papais Lese- und Schreibfähigkeiten blieben - laut eigener Aussage - mangelhaft, bemerkenswert ist aber seine Sprachkompetenz: "Na ja, ich spreche Kroatisch und Deutsch und Roman, Ungarisch und die slawischen Sprachen, das Tschechische ein bisschen, Böhmisch ein bisschen, Jugoslawisch am besten und dann noch Russisch, und mit den Polen habe ich mich auch verständigen können. So an die zehn Sprachen. Mich können sie nirgends verkaufen."

1938 oder 1939 wurde Adolf Papais Vater zusammen mit vielen der älteren Langentaler Roma verhaftet und nach Buchenwald deportiert, wo er 1941 ermordet wurde. Auch seine Mutter wurde zur gleichen Zeit verhaftet, kam jedoch wieder frei. Da sie sehr krank war, kam eine Flucht der Familie nach Ungarn nicht in Frage. Es blieb, sich mit den vier Kindern im Langentaler Wald zu verstecken. 1941 wurde die Familie nach Lackenbach verschleppt. Bereits die Ankunft in Lackenbach wurde zu einem der schrecklichsten Erlebnisse für den kleinen Adolf: "Ich habe einen kleinen Hund gehabt. [...] Ich war noch ein Kind, und ich habe den Hund nicht hergegeben. [...] Und wir sind runter vom Auto, und ich habe den Hund nicht ausgelassen. Und dann hat einer den Hund, den armen Hund bei den Hinterbeinen genommen und mich mit ihm so lange geschlagen, bis ihm die beiden Hinterbeine in den Händen geblieben sind. So schreckliche Menschen waren das [...]." Adolf Papai musste wie die anderen "arbeitsfähigen" Kinder Zwangsarbeit (Hof kehren, Toiletten putzen, Bürsten herstellen etc.) leisten, und er musste mit ansehen, wie die in den Baracken zurückgebliebenen Kleinkinder und Babys erfroren, wie Menschen von den Kapos misshandelt oder totgeprügelt wurden.. Hunderte Roma fielen der Flecktyphus-Epidemie zum Opfer, darunter viele seiner engsten Verwandten. Adolf Papai überlebte und hatte 1943 das Glück, das Lager verlassen zu können und beim Jäger des Grafen auf Schloss Nebersdorf, Ladislaus Niczky, in Dienst genommen zu werden.

Als er nach Langental zurückkehrte, stand das Haus der Familie Papai im Gegensatz zu vielen anderen Häusern noch, da evakuierte Bombenflüchtlinge aus Deutschland darin gewohnt hatten. Bis 1949, als seine Mutter an den Folgen eines Schlaganfalls starb, war Adolf Papai auf Grünarbeit. Seine Schwestern gingen nach Wien, um dort zu arbeiten. 1951 heiratete Adolf Papai. Seine Frau brachte zwei Söhne und eine Tochter zur Welt. Die Kinder der Papais sprechen kein Roman, verstehen es aber, wenn Adolf Papai und seine Frau miteinander roman, ihre Alltagssprache, sprechen.

Wie bereits sein Vater und viele Langentaler spielte Adolf Papai in einer Roma-Kapelle. Von seinem Vater und später von seinem Schwiegervater lernte er die Grundbegriffe des Musizierens, das meiste brachte er sich jedoch selbst bei. Der Kontrabass wurde zu seinem Instrument, und mit Kollegen gründete er die "Große Horvath-Geza-Kapelle", eine von vier Roma-Bandas in Langental.

Die Kontakte zu den Nicht-Roma beschreibt Herr Papai differenziert: "Es gibt solche, die sich mit den Roma zusammensetzen, auch wenn sie sie nicht so gut kennen. Die waren gut. Aber dann gibt es auch solche, wenn ich die treffe, sagen sie: ,Servus, Adolf, wie geht’s?’, und reden schön mit mir, aber hinter meinem Rücken sagen sie: ,Schau dir den elenden Rom an, schau, was für ein Haus er sich hat bauen lassen!’"

Für die Zukunft wünscht sich Adolf Papai, dass sich die Geschichte von 1938 bis 1945 nicht wiederholt. Derzeit, meint er, gehe es den burgenländischen Roma "wie den Grafen" im Vergleich zu anderen Roma, etwa in Tschechien, Ungarn oder Rumänien. Er plädiert dafür, dass jeder "nur 20 Euro" spenden sollte, um ein wenig zu helfen. Denn "uns ruiniert das nicht, aber sie sind arm und es gebührt ihnen".

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