München: Überfall mit Messern und Eisenstangen

Mai 17th, 2026  |  Published in Rassismus & Menschenrechte

Polizeigroßeinsatz in München, Symbolbild (Foto: Flickr/Medien AG/Anarchist. Gruppe Freiburg, CC BY-NC-SA 2.0)Maskierte stürmten eine Arbeiter­unter­kunft in München und atta­ckier­ten die Be­wohner mit Messern und Eisen­stangen. Vier Per­sonen aus Bul­ga­rien wur­den ver­letzt, eine schwer. Die Polizei rätselt über das Tat­motiv – und ver­schweigt die anti­ziga­nis­tische Parole, die einer der An­greifer rief. Die Täter spra­chen teil­weise „öster­rei­chi­schen Dialekt“.

In München-Moosach drangen am Freitag­abend 10 bis 15 Ver­mummte in eine Unter­kunft von bulga­rischen Arbeitern ein und griffen die Be­wohner mit Messern und Eisen­stangen an. Vier Arbeiter im Alter von 29 bis 36 Jahren wurden bei dem An­griff verletzt, der 36-Jä­hrige schwer. Er erlitt eine Bein- und eine Hand­ver­letzung, laut Polizei­mittei­lung wurde er durch einen „scharf­kantigen Gegen­stand“ ver­letzt und musste mit dem Rettungswagen ins Spital ge­bracht werden. Er wird stationär be­handelt. Alle vier sind bul­garische Staats­bürger ohne festen Wohnsitz in Deutschland.

Polizeimitteilung vom 17. Mai

Die am Sonntag ausgegebene Medienmitteilung der Polizei München beschreibt den Vorfall wie folgt:

Am Freitag, 15.05.2026, gegen 22:00 Uhr, gingen beim Polizei­notruf 110 mehrere Anrufe ein. Dabei wurde mit­geteilt, dass es in der Bunzlauer Straße im Bereich des U- und S-Bahnhofes Moosach zu einer kör­perlichen Aus­einander­setzung mit einer Vielzahl beteilig­ter Personen ge­kommen war. Nach der­zeiti­gem Er­mittlungs­stand drangen mehrere Personen mit Tüchern und Sturm­hauben mas­kiert in eine am Bahnhof befind­liche Arbeiter­unter­kunft ein und griffen die dort an­wesen­den Personen an. Dabei seien auch Messer und Eisen­stangen ver­wendet worden. Die An­greifer konnten un­erkannt flüchten. Ein grö­ßerer Polizei­einsatz mit über 30 Streifen war die Folge.

Einige der attackierten Personen versuchten zu flüchteten, „indem sie aus dem Fenster spran­gen, sogar aus dem ersten Stock“, schreibt die Münchner Abend­zeitung. Als die ersten Polizeistreifen – laut Polizei binnen weni­ger Minuten – vor Ort eintrafen, waren die Täter bereits ver­schwun­den. Die Polizei ver­mutet, dass die An­greifer nach dem Überfall mit einem Auto das Weite suchten.

Romafeindliche Parole

Die Kriminalpolizei ermittelt wegen gefährlicher Körperverletzung und schweren Land­friedens­bruch. Nach bisheri­gem Erkenn­tnis­stand kannten sich Täter und Opfer nicht, mel­det BR.de. Man ermittle in alle Rich­tungen, aus­zu­schließen sei nur eine Beziehungs­tat, so die Polizei in München. „Ob es sich um eine fremden­feindliche Tat ge­handelt hat, konnte die Polizei am Sonntag nicht sagen, die Motiv­lage sei unklar“, berich­tet die Süd­deutsche Zeitung.

Aller­dings: Die Polizei ver­schwieg einen deut­lichen Hinweis auf ein rassisti­sches bzw. anti­ziganisti­sches Tatmotiv, von dem man erst in der Abend­zeitung erfährt. Diese be­richtet von einem wahr­schein­lichen „fremden­feindli­chen Hinter­grund“: „Nicht nur, dass in dem Wohnheim aus­schließ­lich Bulgaren wohnen – zudem habe einer der Täter den Satz ,Schnapp Dir den Zig****r!‘ gerufen.“

Bei den Bewohnern der Unterkunft handelt es sich laut Abendzeitung um Arbeiter bzw. Wander­arbeiter aus Bulgarien, die etwa als Reini­gungs­kräfte tätig sind oder Arbeit suchen. Die Täter werden als männlich, circa 20-jährig und „hellhäutig“ be­schrieben und hätten teil­weise mit österrei­chi­schem Akzent ge­sprochen.

Polizei sucht Zeugen

Die Polizei erklärt, sie habe umfangreiche Fahndungs- und Spuren­sicherungs­maß­nahmen rund um den Tatort durch­geführt, dies habe jedoch bislang nicht zur Ergreifung der Täter geführt. Die Aus­wertung der Video­auf­zeichnun­gen im Bahnhofs­bereich er­brachten kein Ergebnis. Die Ermittlun­gen führt aufgrund des mut­maßlichen Alters der Täter­gruppe aktuell das Kommis­sariat 23 für jugend­typische Gewal­ttaten. Das Polizei­präsidium München bittet etwaige Zeu­ginnen und Zeugen, sich zu melden:

Wer hat im angegebenen Zeitraum in der Bunz­lauer Straße und im Bereich des U- und S-Bahn­hofes Moosach Wahr­nehmun­gen gemacht, die im Zu­sammen­hang mit diesem Vorfall stehen könnten? Wem sind Per­sonen aufgefallen, die außer Atem waren, Gegen­stände ent­sorgten oder weg­rannten? Wem sind Fahrzeuge auf­ge­fallen, die schnell von dort weg­fuhren? Personen, die sach­dien­liche Hinweise geben können, werden gebeten, sich mit dem Polizei­präsi­dium München, Kom­missa­riat 23, Tel. 089 2910-0, oder jeder anderen Polizei­dienst­stelle in Ver­bindung zu setzen.

(Text: Roman Urbaner/dROMa-Red.)

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