Archive for Dezember, 2019

Facts & Figures (258)

Dezember 13th, 2019  |  Published in Facts & Figures

Im Juni 1993 brachte das Wiener „Ro­ma­no Cen­tro“ die ers­te Aus­ga­be seiner gleich­na­mi­gen Zeit­schrift he­raus. Sie er­scheint bis heu­te.

(Quelle/pdf)

Innsbruck hebt Bettelverbotszonen auf

Dezember 13th, 2019  |  Published in Politik, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht

Nicht mehr länger "Hauptsstadt der Verbote": Innsbruck hebt Bettelverbot auf (Bild: Innsbruck informiert)Innsbruck hebt Bettelverbot bei „Gelegenheitsmärkten“ auf. Bet­tel­lob­by for­dert Ab­schaf­fung wei­te­rer Ver­bote: Für einen so­li­da­ri­schen Um­gang mit Ar­muts­betrof­fe­nen und einen öf­fent­li­chen Raum, wel­cher für al­le nutz­bar und zu­gäng­lich ist

Die Bettellobby Tirol begrüßt die Aufhebung des Bettelverbots bei „Gele­gen­heits­märkten“ in Innsbruck. Die Tiro­ler Lan­des­haupt­stadt setzt damit ein Zeichen für ein soli­dari­sches Zu­sammen­leben und einen öffent­li­chen Raum, in dem sich unter­schied­liche Men­schen und Grup­pen mit- und neben­einander auf­halten kön­nen. Innsbruck soll nicht län­ger eine Vorzeige­stadt der Verbote sein. Mit Bettelverboten werden Men­schen bestraft und aus dem öffentlichen Raum ver­trie­ben, weil sie Armut sichtbar ma­chen. Es ist an der Zeit, ande­re Wege zu gehen und sich von einer Politik der Verbote und einer Kriminalisierung Ar­muts­betrof­fe­ner zu ver­ab­schieden. Verbote und Bestra­fung ver­schlim­mern die Not­lagen der Betrof­fenen und füh­ren zu weite­rer Aus­grenzung. Statt­dessen braucht es mehr Angebote, die den Betrof­fenen zugute­kommen und Alter­nati­ven zum Betteln ermöglichen.

Für die Bekämpfung von Armut sowie eine Verbesserung der sozia­len und öko­nomi­schen Hand­lungs­mög­lich­keiten armuts­betrof­fener Men­schen

Es gilt, gemeinsam Kräfte zu bündeln, um verstärkt an den Struk­turen, die Armut be­din­gen, zu ar­bei­ten und die Ursachen von Armut statt Armuts­betrof­fene zu be­kämpfen. Dazu be­darf es der Aufhebung wei­te­rer Verbotszonen in Innsbruck (Nächti­gungs- und Alkoholverbot), die eben­falls darauf ab­zie­len, armuts­betrof­fe­ne Men­schen aus dem Blick der Öffentlichkeit zu ver­bannen. Ge­fragt ist je­doch auch der Tiroler Landtag, die ge­setzli­chen Bestim­mun­gen auf Landes­ebene zu über­denken, welche die Grund­lage für das Bettel­ver­bot bei Gelegenheits­märkten in Inns­bruck boten und das vom Öster­reichi­schen Ver­fas­sungs­gerichts­hof ein­geräumte Recht auf „stilles“ Betteln aus­höh­len.

Für ein Ende der Kriminalisierung von Armutsbetroffenen und eine Politik, die sich ge­gen Verbote, Hetze, sozia­le Aus­gren­zung und Dis­kri­mi­nie­rung richtet

Die aktuelle Debatte um das Bettelverbot bei „Gelegenheitsmärkten“ in Inns­bruck zeigt, dass es Be­für­worten­den im Gemeinderat nicht um eine sach­liche und dif­fe­ren­zierte Aus­ein­ander­setzung geht. Man be­dient sich rassisti­scher Vorurteile und Unter­stel­lun­gen wie der Rede von „organsierten Bettlerbanden“, um Stim­mung gegen Armuts­betrof­fene zu ma­chen und Menschen gegen­einander aus­zu­spielen. Read the rest of this entry »

Facts & Figures (257)

Dezember 11th, 2019  |  Published in Facts & Figures

Im Feb. 1998 erschien in Ober­wart die ers­te Aus­ga­be des zwei­spra­chi­gen Ro­ma-Ma­ga­zins Romani Patrin. Die Zeit­schrift exis­tier­te bis Dez. 2015.

(Quelle)

AKE DIKHEA? Roma-Filmfestival in Berlin

Dezember 10th, 2019  |  Published in Film & Theater, Veranstaltungen & Ausstellungen

Eröffnungsgast Zoni Weisz beim Festival (Foto: Ake Dikhea?)Die dritte Ausgabe des Roma-Filmfestivals AKE DIKHEA? star­tete am 5. De­zem­ber 2019 mit Stim­men von Über­lebenden des immer noch wenig be­kannten Völker­mords an euro­päi­schen Roma und Sinti. Mit dem Bewusst­sein für die grau­same Ver­gan­gen­heit sind auch Blicke in die Zukunft mög­lich: Mit jungen und progres­si­ven Per­spekti­ven, die eben­falls einen wich­tigen Raum beim dies­jähri­gen AKE DIKHEA? ein­nahmen. Vom 5. bis zum 9. Dezem­ber 2019 liefen im Rahmen der drit­ten Festi­val-Edition ins­gesamt 15 Filme, darun­ter Kurzfilme, Doku­men­tar- und Spielfilme. AKE DIKHEA? – Ber­line­risch et­wa NA KIEKSTE? – fand unter der Schirm­herr­schaft von Dr. Klaus Lederer, des Sena­tors für Kultur und Europa, im Kino Moviemento statt.

Das Roma-Filmfestival gehört inzwischen zu den Ereig­nissen, die die Stadt Berlin in ihrer Vielfalt und kul­tu­rel­len Offen­heit aus­machen und die un­sere Gesell­schaft heute drin­gen­der be­nötigt denn je. Es ver­ortet Roma und Sinti selbst­vervständ­lich in der gesell­schaft­li­chen Mitte, er­möglicht den Aus­tausch und hilft, tra­dierte Bilder kritisch zu reflek­tieren. Es ist ein Plädoyer für eine freie Gesell­schaft für alle Men­schen und macht dabei natür­lich auch viel Spaß.

(Dr. Klaus Lederer über AKE DIKHEA)

Neben Dr. Klaus Lederer wird auch der niederländische Holocaust-Über­le­ben­de und Blumen­könig Zoni Weisz am Er­öff­nungsvabend an­wesend sein. Weisz hat wäh­rend des National­sozia­lis­mus seine Eltern und Ge­schwis­ter verloren. Nach dem Krieg wurde er einer der führen­den Floristen in Europa und ar­beitete unter ande­rem für die nieder­ländi­sche Königs­familie. 2011 hielt er als ers­ter Vert­reter der Sinti und Roma an­läss­lich des Tags des Gedenkens an die Opfer des Natio­nal­sozia­lis­mus eine Rede vor dem Deut­schen Bundestag. In MEMORY BOXES er­zählt der Florist über den Um­gang mit seiner Trauma­ti­sie­rung durch den NS-Völker­mord. Der animierte Kurzfilm ent­stand unter der Regie von Hamze Bytyçi, dem Künst­le­ri­schen Leiter des Festivals, und feier­te bei AKE DIKHEA? seine Welt­premiere. Read the rest of this entry »

Arte: „Die Bettler aus der Walachei“

Dezember 9th, 2019  |  Published in Radio & TV, Rassismus & Menschenrechte

"Re: Die Bettler aus der Walachei" (Filmstill, BR/Arte)„Re: Die Bettler aus der Walachei. Bedürftige oder organisierte Bande?“

33 Min., BR, Deutschland, 2019
Online ansehen, verfügbar bis 22.1.2020

Sie kommen gemeinsam, jeder steuert seine Straßenecke an, legt eine Decke über die Beine und harrt aus – in der Hoff­nung, dass Passan­ten Geld in den Pappbecher wer­fen. Genauso schnell wie sie ge­kommen sind, ver­schwinden sie gemein­sam wieder. Wo gehen diese Men­schen hin, wer sind sie, steckt organi­sierte Krimi­na­lität da­hinter?

„Re:“ folgt einer Bettlerin in ihr Romadorf in Rumänien – und stößt auf bittere Armut und Aus­gren­zung. Das Dorf ist Teil der EU – und den­noch ein ver­gesse­nes Stück Land, zu dem Jour­na­lis­ten kaum Zutritt haben.

Vor Ort stellt sich heraus, wer die junge Frau tatsächlich ist. Ihr Mann sitzt im Gefäng­nis, sie kann nicht lesen noch schrei­ben, braucht aber Geld, um ihre bau­fällige Hütte zu renovie­ren, ihre Kinder will sie in die Schule schicken, doch der einzi­ge Weg zur Schule ist ein aus­ge­trock­ne­tes Fluss­bett, das sich bei Regen in einen rei­ßenden Fluss ver­wandelt. Und so scheint das Betteln im Ausland als der einzige Weg, sich buch­stäblich über Wasser zu halten – und mün­det doch nur in einen Teufels­kreis von Armut und Aus­grenzung.

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Facts & Figures (256)

Dezember 4th, 2019  |  Published in Facts & Figures

Der moldauische Prinz Ştefan Răzvan, der 1595 den Thron Mol­daus be­stieg, war ein ehem. Ro­ma-Skla­ve, der zum Heer­füh­rer auf­ge­stie­gen war.

(Quelle)

Bettellobby kritisiert Wiener Sozialstadtrat

Dezember 3rd, 2019  |  Published in Politik, Rassismus & Menschenrechte

Polizisten und Bettler in WienOffener Brief der Bettellobby Wien an Sozial­stadt­rat Peter Hacker

Sehr geehrter Herr Stadtrat Hacker!

Eine Diskussion um eine härtere Vorgehensweise gegen bettelnde Men­schen pünkt­lich zum ersten Advent über­rascht wohl nie­man­den mehr. Diese Debatte kehrt bei­nahe alle Jahre wieder. Was uns jedoch über­rascht, ist, dass gerade Sie diese Debatte an­stoßen, nor­maler­weise ist es der Boule­vard oder die politi­sche Kon­kur­renz. Als Ge­schäfts­führer des Fonds Soziales Wien waren Sie bis vor kurzem noch auf der Seite jener, die um konstruk­tive Lö­sun­gen für sozia­le Probleme be­müht sind, und haben erfreu­li­cher­weise Angebote für armuts­betrof­fene EU-Bür­ger*in­nen ge­schaf­fen. Es scheint, dass die SPÖ – wie schon im Wahl­kampf 2009/2010 – das Thema wieder einmal für sich ent­deckt hat. Damals resul­tierte die De­batte in der Ein­führung des Verbotes des „gewerbs­mä­ßi­gen“ Bettelns, eines Tat­bestan­des, von dem – trotz vieler Gerichts­ver­fahren – bis heute nicht ge­klärt ist, was er denn genau be­inhal­tet, und der der will­kür­li­chen Bestra­fung von betteln­den Men­schen Tür und Tor ge­öffnet hat.

Diejenigen, die Sie als „organisierte Banden“ diffamie­ren, sind Men­schen, die ver­suchen, ihrer Armut zu ent­kommen. Es sind Eltern und Groß­eltern, die ihren Kindern und Enkeln eine bes­sere Zukunft er­mög­li­chen wollen. Es sind arbeits­unfä­hige Men­schen, die in Wien einige Jahre betteln, bis sie alt genug sind, um in ihrem Her­kunfts­land eine Pension be­kommen. Es sind Men­schen, die nicht nur betteln, sondern bei jeder Gelegen­heit andere Jobs an­nehmen, etwa als Ernte­hel­fer*innen. Es sind Men­schen mit Behinder­ungen, die durch Bettelei etwas zum Fami­lien­ein­kom­men bei­tragen können, anstatt sich nur als Last zu empfin­den. Fragen Sie doch Ihre ehe­mali­gen Mit­arbeiter*innen in der Woh­nungs­losen­hilfe des Fonds Sozia­les Wien oder spre­chen Sie selbst mit betteln­den Men­schen. Sie werden Infor­ma­tionen er­halten, die diffe­ren­zier­ter sind als jene, die Sie in den letzten Tagen ver­breitet haben. Und Sie wer­den be­ein­druckt sein von diesen Men­schen und es wird Ihnen in der Folge schwer fallen, sie pau­schal zu dif­fa­mieren.

Es ist unbestritten, dass manche dieser Personen Belästi­gun­gen ver­ursachen. Doch die Ver­trei­bungs­politik à la „Aktion scharf“ der Polizei erweist sich seit Jahren als in­effizient. Bet­telnde Men­schen werden – völlig un­abhän­gig davon, wie sie sich ver­halten – mit hohen Geld­strafen belegt. Werden diese Strafen be­ein­sprucht, werden sie in vielen Fällen vom Ver­wal­tungs­gericht auf­ge­hoben oder re­duziert. Doch viele Bettelnde bringen kein Rechts­mittel ein und müssen in der Folge häufig Ersatz­frei­heits­strafen von meh­reren Tagen an­treten. Read the rest of this entry »

Prag: Roma wollen NS-Enteignungen aufarbeiten

Dezember 1st, 2019  |  Published in Geschichte & Gedenken, Wissenschaft

Bild: Kunstausstellung mit Tomáš Rafas Roma-Adaptierungen der tschechischen Flagge, 2013 (Foto: Romea-cz) Tschechien: Rat für Roma-Angelegenheiten plant Ana­ly­se von Vor­kriegs-Eigen­tums­ver­hält­nis­sen

Der Rat für Roma-Angelegenheiten bei der Re­gie­rung plant eine Analy­se von Eigentums­ver­hält­nis­sen von An­gehöri­gen der Minder­heit vor dem Zweiten Weltkrieg. So soll fest­ge­stellt wer­den, wie viel des Eigen­tums wäh­rend der deutschen Besatzung in den Jah­ren 1938 bis 1945 enr­eignet wurde und wie hoch mög­liche Ent­schädi­gungen sein könn­ten. Darüber be­rich­tete die Presse­agen­tur ČTK am Sonn­tag. Der Rat fordert von der Regie­rung nun die nöti­gen Mittel für die Forschungen.

Während des Zweiten Weltkriegs wurden rund 5.500 tschechi­sche Roma in Kon­zentra­tions­lager ver­schleppt, nur rund 500 kehr­ten nach Ende des Krieges in ihre Heimat zurück. Read the rest of this entry »