Archive for August, 2019

Fact & Figures (235)

August 15th, 2019  |  Published in Facts & Figures, Politik

Die Romapartei Parti­da Ro­mi­lor Pro Eu­ro­pa hat durch­ge­hend seit 1992 das für die Volks­grup­pe re­ser­vier­te Man­dat im ru­mä­ni­schen Ab­ge­ord­ne­ten­haus in­ne.

(Quelle)

Kroatien: Rassismusvorwürfe gegen H&M

August 14th, 2019  |  Published in Rassismus & Menschenrechte

Rassismusvorwürfe gegen H&M: Die kroatische Romni Džemilja T. und ihre Familie wurde aus der Filiale geworfen (Foto: via jutarnji.hr)Džemilja T.: „Ich wurde aus dem H&M ge­wor­fen, weil ich Romni bin“

RAN: Džemilja T. aus der kroatischen Stadt Rijeka berichtet von einem un­an­ge­neh­men Vorfall, der ihr pas­sierte: Sie war zu­sam­men mit ihrer Mutter, ihren bei­den Schwes­tern und zwei Kindern einer Schwes­ter am 26. Juli in einer H&M-Filiale. Sie wur­den plötz­lich raus­ge­schmis­sen. Auf die Frage nach dem Grund er­hielten die Frauen keine Ant­wort. Auch die Polizei half nicht, son­dern sug­ge­rier­te, dass der Laden seine Grün­de hatte. Als ihre Schwester im Ge­schäft noch­mal nach dem Grund fragte, er­hielt sie die Aus­kunft, es gebe von der H&M-Ver­wal­tung in Zagreb die Order, Roma, die „in Grup­pen“ im Geschäft seien, raus­zu­schmei­ßen, ins­beson­dere wenn Kinder dabei sind.

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Serbien: Keine Taxis für Roma?

August 13th, 2019  |  Published in Rassismus & Menschenrechte

Antiziganismus-Vorwürfe in Serbien: Taxis transportieren angeblich Roma-Kunden (Foto: Wikimedia) Rassismusvorwürfe in Niš (Serbien): Taxi-Unter­neh­men dis­kri­mi­niert Roma

RAN: In der mutmaßlichen internen Verordnung einer ser­bi­schen Taxi-Ver­eini­gung wird empfoh­len, Roma nicht als Fahrgäste mit­zu­neh­men. Ver­brei­tet hat sich das Doku­ment in sozialen Netz­werken, aber seine Echtheit wur­de noch nicht be­stätigt. Bürger fragen nun, um wel­che Trans­port­dienst­leister es sich han­delt und ob diese bestraft wür­den. Die Gleich­stel­lungs­kom­mis­sion for­dert Men­schen­rechts­organi­sa­tio­nen, Roma-Ver­einigun­gen und dis­kri­mi­nierte Bürger auf, eine förm­li­che Beschwerde ein­zu­reichen.

Dass es sich um einen Verband aus Niš han­delt, wurde an­hand von An­gaben er­mit­telt, die sich auf die Sied­lung ‚Beograd mali‘ und eine ört­li­che Bäckerei be­ziehen. In dem um­strit­tenen Doku­ment heißt es, dass Fahrer, sobald sie den Kunden als Rom er­kennen, kehrt­machen sol­len. Im Wort­laut: „Die Zentrale kann den Kunden am Telefon nicht se­hen. Wenn Sie an der Adresse an­ge­kom­men sind und sehen, dass es sich um Roma han­delt, geben Sie Gas und fah­ren Sie weg. Sie wer­den an die erste Posi­tion des Taxi­standes ge­leitet.“ Weiter heißt es, dass Roma bei den Anrufen täuschen wür­den, in­dem sie von der be­sag­ten Bäckerei aus an­ru­fen oder ande­re darum bit­ten, ihnen ein Taxi zu be­stel­len. Und wei­ter: „Nehmt kei­ne Roma als Fahrgäste mit!

Auch gegenüber dem Sender RTS bestätigen Anwohner, dass Taxis die Siedlung nicht an­fahren. Gegen­über dem Nach­richten­por­tal Južni vesti be­stä­tig­te eine Nišer Bürgerin, dass so ein Do­ku­ment exis­tiert. Im Büro der Gleich­stellungs­kom­mis­sion ist bis­her aller­dings keine Beschwerde ein­gegan­gen. Read the rest of this entry »

RAN: Rassismus gegen Roma in Bulgarien

August 11th, 2019  |  Published in Politik, Rassismus & Menschenrechte

Anti-Roma-Krawalle in Bulgarien (Foto: Euronews)RAN: In der bulgarischen Stadt Vidin (Anm.: im äu­ßersten Nord­wes­ten des Lan­des) sind am Abend des 22. Juli Polizei und Gen­dar­me­rie mit ca. 20 Wagen in das Roma-Viertel aus­ge­rückt – an­geb­lich we­gen Ru­he­­störung. Alle rein- und raus­fah­ren­den Autos wur­den überprüft.

Bulgarische Roma haben dieses Jahr in mehre­ren Län­dern und vor dem Euro­päi­schen Par­la­ment in Brüssel ge­gen die Dis­krimi­nie­rung in ihrem Her­kunfts­land demonstriert. Das Fass zum Über­laufen hatte die kollek­ti­ve Be­stra­fung von Roma in Wojwodinowo ge­bracht, wo die Be­hör­den Teile einer Roma-Sied­lung ab­ge­ris­sen hatten, nach­dem zwei Jugend­­liche einen Armee­ange­höri­gen verprügelt hat­ten und an­schlie­ßend ver­haftet wor­den wa­ren.

Verteidigungsminister und stellvertretender Premier­minis­ter Krassimir Karakatschanow nutz­te den Vor­fall, um zwei Tage später der Presse mit­zu­teilen, die „Zi­geu­ner“ in Bulgarien sei­en extrem un­ver­schämt ge­worden. So könne es nicht weiter­gehen. „Die Wahr­heit ist, dass wir ein gan­zes Programm zur Lö­sung des Zigeu­ner­problems be­nö­tigen.“

Im Februar erschien seine sogenannte Lösung, die inzwi­schen auch dem Parla­ment zur Ab­stim­mung vor­ge­legt wurde. Ihr Titel lautet: „Lösung zur Integra­tion der nicht-in­tegrier­ten Zi­geuner (Roma)-Ethnie“. Wie das Euro­pean Roma Rights Centre (ERRC) schreibt, ist das Doku­ment voller Hate Speech, Stereo­type, schlecht ge­schrie­ben und es man­gele ihm an Be­legen für die rassis­ti­schen Unter­stel­lungen über Roma, sie würden nicht ar­beiten wol­len, das Sozial­sys­tem aus­beuten und zu viele Kinder haben. In dem Do­ku­ment wird zu­dem der Be­griff der „Zi­geu­ner-Kriminalität“ ver­wen­det. Straftaten wür­den dem­zu­folge also nicht von Indi­viduen be­gangen, son­dern ge­hör­ten zur Wesensart der Ro­ma-Ethnie. Roma wer­den von Kara­katscha­now zu­dem als „asozial“ be­zeich­net. Die Nazi-Rhetorik ist evid­ent. Die vor­ge­schla­genen Maß­nahmen be­ziehen sich auch direkt auf Roma. Die An­zahl an Ge­burten von Romnja soll re­duziert wer­den, Maß­nahmen und Ein­rich­tun­gen zur „Arbeits­erzie­hung“ werden vor­geschlagen, eben­so wie Quoten von Sozial­hil­fe-Empfän­ger/in­nen mit Roma-Her­kunft. Read the rest of this entry »

„Derartige Filme legitimieren Hass“

August 9th, 2019  |  Published in Radio & TV, Rassismus & Menschenrechte

Selten fand der Zentralrat so drastische Worte. Und in der Tat duchziehen Bilder wie dieses (etwa bei 04.00) die Sendung. Roma werden mit Unrat, Ungeziefer und Verbrechen verknüpft, Ratten fungieren Leitmotiv die Reportage. (Bild: Screenshot aus der Sendung/Sat1)Zentralrat übt scharfe Kritik an SAT 1: Film­pro­duk­ti­on über Roma provoziert Hassrede und Gewalt ge­gen Minderheiten

Die in der Reihe „Akte 20.19“ gezeigte Pseu­do-Do­ku­men­ta­tion „Roma: Ein Volk zwi­schen Armut und An­ge­berei“, die am 7. Au­gust 2019 von SAT1 aus­ge­strahlt wur­de, dif­fa­miert die An­ge­höri­gen von Sinti und Roma auf eine wider­wärtige und rassis­tische Art. Der Zentral­rat wird diesen Film, der sich ohne wei­teres in die rassisti­sche Tra­di­tion eines „Jud Süß“ oder jenes Nazi-Pro­paganda­films über das Ghetto The­resien­stadt „Der Führer schenkt den Juden eine Stadt“ ein­reiht, bei sei­nem Treffen im Sep­tem­ber 2019 mit dem israe­li­schen Bot­schafter in Deutschland, Jeremy Issacharoff, zum Thema ma­chen.

Wie im NS-Film über Theresien­stadt durch­ziehen den SAT1-Film im­mer wieder Se­quen­zen, in denen Roma in unter­schied­licher Weise mit Ratten in Zu­sam­men­hang (Anm. d. Red.: siehe Screen­shot) ge­bracht werden, ins­beson­dere die Wohn­situa­tion in den Ghet­tos in Rumänien wird so cha­rak­teri­siert. Damit wird gleich­zeitig diese men­schen­unwür­dige Situa­tion als vor­geblich der Mentalität von Roma ent­spre­chende Lebens­weise dar­gestellt – ohne den der de­solaten Lage gro­ßer Teile der Roma-Be­völke­rung zugrunde­lie­genden mas­siven Rassis­mus in ihren Hei­mat­län­dern als Ursache zu be­nennen.

Die SAT1-Produktion bringt unterschiedslos Roma-Grup­pen aus unter­schied­li­chen Ländern mit Vor­würfen mas­siver Kriminalität zu­sam­men. „Eine der­artige pau­scha­le Krimina­li­sie­rung und wider­wärtige Dif­fa­mierung von Min­der­heiten wäre bislang gegen­über an­deren Minder­heiten un­vor­stell­bar – gegen­über Roma in Europa gibt es für ein­zelne Medien und Film­pro­duzen­ten offen­kundig keine Gren­zen und keine Skrupel mehr. Mit Filmen wie dieser SAT1-Pro­duk­tion wird Hassrede im Internet provoziert, derartige Filme legiti­mieren Hass und Gewalt gegen­über Min­der­heiten, und das ist eine große Gefahr für un­sere De­mokra­tie und für das Zu­sam­men­leben in Deutsch­land“, so Romani Rose in einer ersten Stel­lung­nahme nach der Aus­strah­lung.

SAT 1 wie seit geraumer Zeit ,spiegel-tv‘ wol­len offen­bar zu­neh­mend rassis­tische Bei­träge als Allein­stel­lungs­merk­mal für sich rekla­mieren und sie bedie­nen mit der­artigen Bei­trägen dezi­diert rechtsextreme Po­sitio­nen. Read the rest of this entry »

Facts & Figures (234)

August 8th, 2019  |  Published in Facts & Figures

Am 5.7.1747 forder­te der Bi­schof von Ovie­do, al­le Gi­ta­nos (span. Ro­ma) aus dem Land zu ver­trei­ben oder sie kol­lek­tiv zu in­ter­nie­ren. Man ent­schied sich für Letz­te­res.

(Quelle)

Roma-Holocaust-Gedenkfeier in Wien

August 6th, 2019  |  Published in Geschichte & Gedenken, Veranstaltungen & Ausstellungen

Kerzen und Blumen (Foto: Heinz Wagner)Gedenkveranstaltung zur Erinnerung an den Völkermord an den Roma und Sinti am Wie­ner Ceija-Stoj­ka-Platz

Kiku/Kurier.at: Neuere Forschungen besagen, dass wahrschein­lich nicht 2.897 Roma und Sinti in der Nacht vom 2. auf den 3. August 1944 im Ver­nich­tungs­lager Auschwitz-Bir­kenau ver­gast wor­den sind, son­dern wahr­schein­lich sogar 4.300. Dies wurde bei der Gedenk­kund­gebung am Ceija-Sto­ka-Platz (Wien-Neu­bau) Frei­tag­abend be­kannt. (Anm. der dROMa-Red.: Die im Vor­jahr erst­mals aus­zugs­weise pub­li­zier­ten For­schungs­er­geb­nisse des Re­search Cen­ter des Auschwitz-Mu­se­ums ge­hen von 4.200 bis 4.400 Per­sonen aus.)

Brücke von der Vergangenheit in die Gegenwart

75 Jahre nach dieser sogenannten „Zigeunernacht“ wurde nicht nur die­ser einen Nacht, son­dern des Völker­mordes der deut­schen Faschisten mit einer halben Mil­lion Opfer ge­dacht. Es blieb aber – wie auch bei den Ver­anstal­tungen in den ver­gan­ge­nen Jahren – nicht bei der Ver­gangen­heit. Prak­tisch alle Red­nerin­nen spann­ten die Brücke zum Heute. Und auch nicht nur in Sa­chen Ver­folgung von Roma und Sinti. Anti­ziganis­mus und Rassismus sind Brüder im Geis­te und so man­che dieser Brüder sind in so man­chen Län­dern an der Macht. „Kethane Sam Zurale“/ „Nur zu­sam­men sind wir stark“ – war der Tenor der Red­nerin­nen, was dieser Ge­fahr von rechts ent­gegen­gesetzt wer­den kann.

Denkmal fehlt (noch?)

Auch wenn der Platz der Veranstaltung nach der Schriftstellerin, Malerin, Ak­tivis­tin Ceija Stojka be­nannt ist, die als eine der Ers­ten als Über­lebende von Hitlers Ver­nichtungs­ma­schi­nerie sich der Auf­klärung des Genozids an ihrer Volks­gruppe ver­schrie­ben hatte, so fehlt ein zentra­les Mahnmal an dieses Ver­brechen. Auch das wurde in den Reden the­ma­ti­siert.

Rednerinnen

Gesprochen hatten die Journalistin, Bloggerin und Aktivistin Gilda Horvath, Wiens Vize­bürger­meiste­rin Birgit Hebein, Dagmar Schindler vom KZ-Ver­band/Ver­band der Anti­fa­schistIn­nen, Marion Dworzack von Voice of Diversity und Laura Moldovan von romblog.at.

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Die Geschichte von Stana und Nada

August 1st, 2019  |  Published in Geschichte & Gedenken

Usnija Buligović von Thara (Foto: spendeninfo.at / Thomas Kronberger)Anlässlich des internationalen Gedenk­tages für den Ge­no­zid an Roma und Sinti am 2. August er­zählt die Lei­te­rin des Volks­hil­fe-Pro­jekts Thara in Wien erst­mals ihre per­sön­li­che Fa­mi­lien­ge­schich­te.

Usnija Buligovićs Familie stammt aus Ungarn und Kroatien. Sie selbst arbei­tet seit über zehn Jah­ren für die Bil­dungs­initia­tive Thara Romano Svato der Volkshilfe Österreich. Trotz die­ser lan­gen beruf­li­chen Tätig­keit im Roma-Be­reich sagt sie: „Ähn­lich wie bei ande­ren Opfer­grup­pen ist der Genozid in un­se­rer eige­nen Familie lan­ge Zeit ein Tabu ge­we­sen. Erst vor ein paar Jah­ren habe ich er­fah­ren, dass gro­ße Teile unse­rer kroati­schen Familie wäh­rend des Holocaust er­mor­det wur­den. Da­vor haben wir nie wirk­lich über dieses Thema ge­spro­chen. Und das, ob­wohl so­wohl ich als auch mein Vater in der Ro­ma-NGO-Sze­ne tä­tig sind.“

Die Roma und Sinti auf dem Gebiet des heuti­gen Kroatiens wur­den in­ner­halb kurzer Zeit und oft ohne De­porta­tio­nen er­mordet. Usnija Buli­gović erin­nert sich an Er­zäh­lun­gen ihrer kro­ati­schen Groß­mutter: „Die Mutter mei­nes Vaters, die Stana, hat ihre gan­ze Familie in Adaševci ver­loren. Sie ka­men nicht ein­mal in ein Lager. Sie wurden ein­fach ge­sam­melt und in die Donau un­ter das Eis ge­worfen. Diese ent­setzliche Grau­sam­keit war die üb­liche Methode. Wie die Stana über­lebt hat, blieb ein Geheim­nis, das hat sie uns nie er­zählt.“

Jene, die deportiert wurden, kamen in eines der größ­ten Kon­zentra­tions­lager Europas, nach Jasenovac. Es war ein Ar­beits-, Sam­mel- und Ver­nich­tungs­lager, wurde von der Ustascha be­trie­ben und als „Auschwitz des Balkans“ be­zeichnet.

„Meine Oma mütterlicherseits, die Nada, kam aus Ungarn. Sie saß schon in einem Zug, auf dem Weg ins Lager, als ihr Vater es ge­schafft hat, mit ihr und ein paar Fami­lien­mit­gliedern aus dem Zug zu flüchten“, er­zählt Us­nija Buli­gović. „Nada hat ein­mal erzählt, dass sie sich in einem Dorf ver­steckt ha­ben, bei einer Familie, im Stall bei den Pferden. Sie durf­ten nicht Romanes spre­chen und das war als kleines Kind für sie sehr schwie­rig. Sie war viel­leicht 4 oder 5 Jahre alt. Aber sie ha­ben überlebt.“ Read the rest of this entry »